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AKTUELL

 

Freitag, 11. August 2017
Die Verhältnisse:
Sämtliche Wege sind soweit gut zu begehen, es liegt kein Altschnee mehr, 
Wenn man beim Übergang ins Steinerne Meer direkt über den Hochsailer drüber will, wird man vermutlich inzwischen Steigeisen brauchen, denn der Gletscher der Sailermulde ist am Übergang zum Fels die letzten Tage extrem ausgeapert.
Das Problem fürs Wochenende wird aber das Wetter sein.
Morgen Samstag soll es noch unbeständig und kühl sein, die Schneefallgrenze soll kurzfristig sogar auf unter 2500m sinken.
Ich glaube zwar nicht, dass viel Schnee zusammen kommen wird, aber für den Königsjodler sind morgen keine geeigneten Bedingungen.
Am Sonntag soll sich das Wetter langsam beruhigen. Für den Königsjodler aber immer noch kritisch.
Wir hoffen ab Montag auf schöneres Wetter, weil auch die gescheiterte Hubschrauberversorgung vom Donnerstag langsam wichtig wird. Sonst gehen uns die Sachen aus.
Dienstag ist Feiertag, und auch der Wetterbericht besser, deshalb wird das Matrashaus Sonntag, Montag und auch Dienstag ziemlich voll werden.
Wer einen sicheren Schlafplatz möchte, sollte auf jeden Fall online über das Reservierungsportal einen Schlafplatz reservieren.
 
Die letzte Woche wr wettermäßig ziemlich durchwachsen.
Für den Donnerstag hatten wir eine Hubschrauberversorgung geplant, deshalb ist meine Frau Jeni am Sonntag Morgen ins Tal zum Einkaufen abgestiegen.
Gewitter am Vormittag oder wie am Sonntag sogar ganz früh sind eher ungewöhnlich. Aber diesmal zog schon früh um sieben Uhr ein schweres Gewitter über den Hochkönig.
Eine knappe Stunde später war zum Glück aber wieder alles vorbei, und innerhalb von Minuten leerte sich das Matrashaus und alle Übernachtungsgäste machten sich an den Abstieg.
Montag und Dienstag war es richtig schön und dadurch das Matrashaus entsprechend gut besucht.
Der Wetterbericht für Mittwoch war schon wieder deutlich unsicherer und obwohl das Wetter gar nicht so schlecht war wurde es am Matrashaus ruhiger.
Ach wenn das Wetter am Donnerstag zumindest am frühen Vormittag gar nicht so schlecht gewesen wäre, hatten wir keine Chance auf eine Hubschrauberversorgung.
Der Föhn blies am Hochkönig mit Böen bis 65km/h.
Unmöglich für einen sicheren Lastentransport.
Mittags brach der Föhn zusammen, die angekündigten schweren Unwetter zogen auf und die einzigen drei Tagesgäste eilten im Regen zurück ins Tal.
Ich verstehe sowieso nicht, warum man bei so einem Wetterbericht, der schwere Unwetter ankündigt, erst um neuen Uhr vormittags am Arthurhaus startet. Das würde ich schon nicht machen, wenn ich oben am Matrashaus über Nacht bleiben will.
Und dann kam auch noch eine Dreiergruppe am späten Nachmittag aus dem Klettersteig. Ich hab' mir schon erlaubt zu fragen was sie sich dabei gedacht haben.
Der Wetterbericht hat Gewitter um 17:00 h voraussgesagt, und da wären sie doch vorher da gewesen. Tja, die Gewitter aber auch.
Die Menschen misstrauen der Genauigkeit der Fahrpläne der Bundesbahn, aber einem Wetterbericht der orts- und zeitgenaue Prognosen über die Gewittertätigkeit erstellt vertrauen sie ihr Leben an.
 
Freitag, 4. August 2017
 
Die Verhältnisse:
sämtliche Wege (Normlwege, Klettersteig Königsjodler,Teufelslöcher, Herzogsteig ) sind gut zu begehen. Es liegt kein Altschnee mehr.
Meine Meinung zum Birgkar ist allgemein bekannt -  ich rate von einer Begehung ab, weil das Birgkar einfach gefährlich ist und sehr viel passiert. Steigeisen oder Pickel sollten nicht mehr nötig sein, es ist nur noch ein kurzes Schneefeld in der Querung das anscheinend aber umgangen werden kann.
 
Der Wetterbericht ist für morgen ähnlich wie die letzten Tage. Schwül und gewittrig.
Vorgestern hatten wir schon am frühen Nachmittag so gegen 14:00 Uhr ein Gewitter, gestern war den ganzen Tag über kein Gewitter.
Das letzte Bergteigerpaar kam gestern erst gegen 20:00 h aus dem Klettersteig Königsjodler. Einen Tag früher wären die beiden in ein schweres Gewitter geraten. Was das auf einem Klettersteig bedeutet kann sich hoffentlich jeder selbst vorstellen.
 
Was sagt diese Wetterlage für Klettersteig Aspiranten?
Je früher man dran ist um so sicherer ist es.
Die Wetterberichte melden unisono bis zum mittleren Nachmittag noch sonniges Wetter, danach steigt das Gewitterrisiko.
Man sollte aber bedenken dass Gewitter keine Wetterberichte lesen und sich deshalb auch nicht an solche Angaben halten.
 
Wer auf der sicheren Seite sein möchte sollte spätestens gegen 13:00 h im Matrashaus sein.
Die normale Zeit für den Königsjodler von der Erichhütte bis zum Matrashaus sind 8-10 Stunden.
Es kann sich also jeder selbst ausrechnen wie schnell er dran sein muss, bzw. wie früh er los gehen sollte.
 
Im Gegensatz zu Ende Juli, als der Wetterbericht selbst für den nächsten Tag oft komplett daneben gelegen ist, hatten die Wetterberichte in der vergangen Woche eine recht hohe Trefferquote.
 
Außer man verlangt eine punkt- und zeitgenaue Gewitterprognose.
Das kann nämlich kein Wetterbericht und diese Wetterapps die das versprechen erinnern mich an Finanzgurus die hohe Gewinne bei Null Risiko versprechen.
 
Montag Morgen - für uns kein Schreckgespenst
 
Der Wochenanfang mit Montag und Dienstag brachte gleich sehr sicheres Wetter. Wenn die Wetterberichte schon einmal von sehr geringem Gewitterrisiko sprechen, dann kommt auch wirklich nichts.
Das hat uns für Anfang August auch gleich eine ziemlich volle Hütte beschert.
 
zur Stromproduktion am Solarpaneel reicht die Sonne noch nicht aber als Fotomotiv
 
 
 
Normalerweise gibt es am Matrashaus Frühstück von sechs bis acht.
Mir ist aber schon klar, wenn früh um halb sechs uhr ein toller Sonnenaufgang lockt, dass die ersten schon um kurz nach halb sechs an der Theke stehen und nur mal eine Frage haben.
Also kann ich auch gleich so früh aufstehen, dass ich um halb sechs, gleich nachdem die Sonne eine Handbreit überm Horizont steht, mit dem Frühstück bereit stehe.
 
morgendliches Alpen- und Wolkenglühen am Lammkopf
 
Was mich dabei aber immer wieder verwundert, dass sich nur die wenigsten auch auf die Westseite vom Matrashaus begeben.
Ich persönlich finde es fast noch eindrucksvoller als den Sonnenaufgang, wenn die Sonne die Gipfel des Steinernen Meeres oder nur das Gipfelkreuz am Lammkopf wie mit einem roten Spotlicht beleuchtet. 
 
Am Mittwoch wurde es bei uns auf Anhieb ruhiger, weil der Wetterbericht auch nicht mehr so stabil war.
Am frühen Morgen lag schon eine dicke Wolkendecke über den Berchtesgadener Bergen.
Normalerweise kann man bei so einer Wetterlage darauf wetten, dass es die nächsten ein/zwei Stunden zu regnen beginnt.
Diesmla legte sich diese Wolkendecke zwar auch über den Hochkönig, aber schon zur Mittagszeit strahlte die Sonne wieder von einem blauen Himmel.
Das Wetter bietet eben doch immer wieder auch positive Überraschungen.
Nur nicht zu früh freuen, am nachmittag dann ein kurzer Regenschauer mit einem Gewitter, aber am Abend durch die Wolken im Westen ein grandioser Sonnenuntergang.
Den wenigen Übernachtungsgästen wurde an diesem Tag wirklich das volle Programm geboten.
 
Das Wolkenmeer läuft über.
 
 
Aus der Erfahrung vom Mittwoch konnte uns heute morgen die dunkle Wolkenfront über Berchtesgaden nicht schrecken, und wir hatten recht. 
Die Quellwolken halten sich noch unterm Hochkönig Gipfel und wir warten gespannt was sich heute mit den Gewittern tut.
 
dunkle Wolken ziehen über das Land wo die Berchtesgadener schön wohnen
 
 
 
 
 
Donnerstag 27. Juli 2017
 
Die Verhältnisse:
Auch morgen am Freitag soll es noch unbeständig sein, erst ab Samstag wird es wieder sommerlich.
Heute sind einige Leute vom Arthurhaus rauf gekommen. Der Schnee scheint kein Problem zu sein. Nur in den Mulden, dort wo es den Schnee rein geweht hat, liegen so um die 20-30 cm Neuschnee.
 
Selbst von der Ostpreußenhütte kam heute eine einzelne Frau rauf. Als wir in der heutigen Schönwetterphase ein Stück runter sehen konnten, lag am Floskogel kein Schnee.
 
Kaum zu glauben, aber sogar übers Birgkar sind heute zwei Bergsteiger rauf gekommen. Am Klettersteig haben sie wieder umgedreht, weil es zu nass, zu kalt und zu windig gewesen ist.
Im Birgkar scheint schon unterhalb der Querung der Schnee zu beginnen. Das bedeutet für den Königsjodler: am Freitag gestorben!
 
Wenn es am Samstag warm wird, dann wird auch der Schnee am Klettersteig rasch abtauen, allerdings wird der Königsjodler am Samstag sicher noch nass sein, und stellenweise auch noch ein wenig Schnee liegen.
Am Samstag ist der Königsjodler nur etwas für erfahrene Bergsteiger. 
Wer für Samstag am Matrashaus reserviert hat, und sich nicht sicher ist, ob er bei diesen Verhältnissen gehen kann, soll unbedingt noch bis heute abend seine Buchung stornieren, weil sonst die Anzahlung verfällt.
 
 
Die letzte Nacht hat es dann doch nochmal so viel geschneit, dass ich schon befürchtete, meine Prognose "der Neuschnee wird am Samstag auf den Normalwegen kein Problem sein" würde richtig daneben liegen.
Früh um sechs Uhr war es draußen noch richtig grausig und dem Wetterbericht konnte ich nach den enttäuschenden Prognosen der letzen Zeit auch nicht mehr vertrauen.
Als so gegen halb acht Uhr der Sturm etwas nachließ, habe ich draußen den Kompost ausgeleert. Am Weg zum Kompost war weniger der Neuschnee ein Problem, dafür war aber alles rund ums Haus mit einer spiegelglatten Eiskruste bedeckt.
 
 
 
Die letzten zwei Tage hatten wir einen Gast der sich am Matrashaus für die bevorstehende Westalpentour aklimatisieren wollte.
Als er sich kurz vor halb neun Uhr an den Abstieg machte, hab ich nur noch ein Foto durch das Zimmerfenster gemacht. Nochmal raus gehen hatte ich nicht wirklich Lust.
 
Unser Übernachtungsgast beim Abmarsch von der Hütte
 
Aber kurz darauf schien sich das Wetter an seine Verpflichtung dem Wetterbericht gegenüber zu erinnern und durch die dichte Wolkendecke spitze für kurze Zeit immer wieder die Sonne hervor.
 
die ersten Sonnenstrahlen wagen sich durch die Wolkendecke
 
 
auch wenn es der Anraun auf den Fenstern nicht vermuten läßt, draußen wird es schöner
 
Schon nach kurzer Zeit zeigte sich über dem Hochkönig der blaue Himmel und es begann auch sofort zu tauen. Der Anraun auf der Südseite des Hauses fiel in dicken Platten von den Fenstern, nur im Schatten der Nordseite klebte er noch fest auf den Zimmerfenstern.
 
Um zu schauen wie der Weg im oberen Teil sein würde, bin ich ein paar Meter von der Hütte abgestiegen. 
Obwohl ein eisig kalter Wind pfiff, hat die Sonne doch soviel Kraft, dass die Eisplatten auf dem Weg sehr schnell auftauen.
So soll es sein, es ist ja schließlich auch Hochsommer!
 
Der Anraun auf den Markierungsstangen wird sich auch nicht lange halten.
Eben nur eine Pracht von kurzer Dauer.
 
DasEis auf den Felsen taut recht schnell in der Sonne
 
 
nur wenn der Wind aus allen Richtungen kommt, wir eine Stange vom Anraun eingehüllt
 
für den Nachmittag kündigt der Wetterbericht schon wieder eine Wetter Verschlechterung an. Und morgen soll es auch noch nicht so berühmt sein.
Erst am Samstag kehrt der Sommer zurück - sagt der Wetterbericht.
 
 
 
 
 
 
Mittwoch 26. Juli 2017
 
Aktuelle Verhältnisse:
Auch wenn es momentan draußen ziemlich winterlich wirkt macht der Wetterbericht Hoffnung.
Ab morgen soll es zunehmend besser werden, und ab Samstag sogar wieder sonnig.
Besonders viel wird es bei uns nicht geschneit haben, ich vermute ähnlich wie beim Schneefall vor 10 Tagen. Für die Normalwege vom Arthurhaus und von der Ostpreußenhütte wird der Neuschnee sobald sich das Wetter bessert, auch kein Problem mehr sein.
Ob der Königsjodler schon am Freitag geht, kann ich aus heutiger Sicht noch nicht sagen. Das hängt entscheidend von der Wetterentwicklung ab. Ich glaube aber eher nicht.
 
Für den Samstag gilt, wird es am Freitag warm, dann ist der Klettersteig sehr schnell schneefrei, wenn nicht, dann wird der Schnee noch liegen bleiben und es werden die Verhältnisse im Königsjodler eher anspruchsvoll sein.
 
Der Altschnee ist auf allen Wegen kein entscheidendes Problem mehr. Nur im Birgkar und am Herzogsteig sind noch vereinzelte Altschneefelder. Wie immer der gleiche Spruch: da diese Altschneefelder im Absturzgelände liegen, können sie bei ungünstigen Verhältnissen (hart gefroren) sehr gefährlich sein.
 
 
Am vorletzten Samstag hätten wir zwei größere Vorhaben gehabt.
Der Hubschrauber Transport des neuen Gipfelkreuzes musste wegen des schlechten Wetters abgesagt werden und auch die Voraussetzungen für den Foto Workshop mit Oliver Bader waren alles andere als ideal.
Aus den geplanten Sonnenuntergangs Bildern würde mit Sicherheit nichts werden.
Draußen waren keine Farben zu sehen, nur die verschiedenen Grauabstufungen von Schnee, Fels und Nebel.
Als Oliver nach dem Abendessen  sagte: „Treffpunkt in 10 Minuten vor der Hütte“, dachte wahrscheinlich nicht nur ich, was will er denn bei diesem Sauwetter draußen fotografieren?
Wir wurden von Oliver in kleine Zweiergruppen eingeteilt und bekamen unterschiedliche fotografische Aufgaben.
Als erstes ein Gipfelfoto machen. Im Nebel vor dem Gipfelkreuz wurde es wie erwartet eine langweilige Allerwelts Aufnahme.
Aber alleine schon so eine Kleinigkeit wie das Fotomodell in die Luft springen zu lassen, oder auf sich zu laufen zu lassen, macht die Aufnahme um einiges interessanter.
 

Oliver muss Modell herhalten

 

Irgendwann wurde es draußen zu kalt und ungemütlich und wir verzogen uns wieder in die Hütte.
Bei der immer gemütlicher werdenden Nachbesprechung konnte jeder noch Fragen an Oliver stellen, und mich überraschte wie man mit ganz  kleinen Tricks oft eine ganz andere Wirkung erzielen kann.
Ein weißes Blatt Papier über den Blitz gehalten, und schon wird ein eigentlich schlecht ausgeleuchtetes Foto richtig gut belichtet.
 
Oliver mit den Teilnehmern des Foto Workshops
 
 
Und wer glaubt man müsse unbedingt eine richtig professionelle Kamera für gute Aufnahmen besitzen, der wurde bei diesem Workshop überrascht. Einige hatte nämlich nichts anderes als ihr Smartphone dabei, und auch damit kann mit einer guten Bildidee ein überraschendes Foto entstehen.
Aber wer trotz den schlechten Wetters so richtig beeindruckende Bilder von diesem Wochenende sehen möchte. Hier der Link zu den Instagram Fotos von Oliver Bader

Instagram Bilder von Oliver Bader

 
Oliver hat übrigens versprochen auch nächstes Jahr wieder so einen Workshop oben bei uns am Matrashaus zu machen. Hoffentlich dann bei besserem Wetter.
 
Ab Montag wurde das Wetter zum Glück immer besser, und so stand dem Hubschrauber Transport des neuen Gipfelkreuzes nichts mehr im Wege.
Gleich früh um halb acht Uhr war der Flug geplant, weil es so früh am Morgen noch relativ windstill am Hochkönig war.
Das metallene Gipfelkreuz wog fast eine halbe Tonne und musste genau auf die vier Gewindestangen des Betonsockels gesetzt werden.

der Hubschrauber wird vom Flughelfer beim Anflug eingewiesen

 

Manch einer glaubt so ein Hubschrauber kann eine Last ähnlich wie ein Baukran absetzten. Das ist leider nicht so. Der Baukran ist fest am Boden verankert, der Hubschrauber nicht.
Um die Leistung eines Hubschrauber Piloten richtig einschätzen zu können kann man einmal folgendes versuchen.
Einen Getränkekasten, gerade so schwer, dass man ihn mit gestreckten Armen noch gut halten kann auf einem Tisch absetzen.
Vorher auf dem Tisch mit Klebeband einen Rand mit einem halben Zentimeter Luft um den Kasten ziehen. Außen um den Rand so vier/fünf rohe Eier stellen. Das sind die Helfer am Boden.
Um die Windböen zu simulieren braucht es noch die Hilfe der Ehefrau, die gibt ganz unvorbereitet dem Hubschrauberpiloten in spe  gelegentlich einen seitlichen Stoß.
Das ganze ist aber immer noch nicht realistisch, denn im richtigen Hubschrauber hat der Pilot die Last nicht direkt an den Armen, sondern noch 20 Meter unterhalb an einem Seil.
Also für mich ist Hubschrauberpilot kein Traumjob.
In unserem Fall musste der Pilot das Gipfelkreuz knapp 4 Minuten im Schwebeflug halten, bis wir endlich alle vier Gewindestangen gleichmäßig in die Bohrungen des Gipfelkreuz Sockels eingeführt hatten.
Das Verschrauben des Sockels war dann nur noch die Kür der ganzen Montage.
 
Der Fernsehsender Servus TV hat eine kurze Reportage über das Gipfelkreuz gedreht.
Hier ist der Link zu der Sendung auf youtube.
 
 
 
Abflug des Hubschraubers nach der Gipfelkreuz Montage
 
 
Gipfelkreuze im allgemeinen, und dieses neue Gipfelkreuz im besonderen sorgen immer wieder für Diskussionsstoff.
Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten, und ob das neue Hochkönig Gipfelkreuz nun gefällt oder nicht, da sind sogar meine Frau und ich unterschiedlicher Ansicht.
 
Aber in einem sind Jeni und ich der gleichen Meinung – ein Gipfelkreuz braucht es.
Ein Gipfelfoto ohne Gipfelkreuz scheint für viele kein wirkliches Gipfelfoto zu sein. Und da hat so ein ungewöhnliches Kreuz sicher einen sehr viel höheren Wiedererkennungswert als ein ganz normales Kreuz.
Am Anfang meiner Zeit als Hüttenwirt gab es am Hochkönig noch kein Gipfelkreuz.
Man glaubt gar nicht wie oft wir die Frage beantworten mussten:
„Wo ist denn hier der Gipfel?“
Mit einem Gipfelkreuz beantwortet sich diese Frage quasi von selbst.
 
Allerdings schafft so ein Gipfelkreuz auch Probleme. Nämlich auf welchen Gipfel man jetzt noch gehen kann.
In den Alpen gibt es nicht besonders viele Gipfelhütten und nur sehr wenige in solch einer exponierten Lage wie dem Matrashaus.
Der Hochkönig ist der sechst prominenteste Berg in den Alpen. Die Zugspitze steht übrigens auf Platz 21 dieser Liste.
Prominenz bedeutet in diesem Zusammenhang wie frei dieser Berg da steht, bzw. wie weit entfernt der nächste höhere Gipfel ist.
Diese Prominenz des Hochkönigs hat den Vorteil einer ungehinderten Gipfelsicht. Sie hat aber auch einen Nachteil. Wo soll man denn bitte vom Matrashaus noch rauf gehen?
Mein Vorgänger versuchte dieses Problem dadurch zu lösen, dass er auf den etwas unterhalb liegenden, eigentlich völlig bedeutungslosen Westgipfel ein Gipfelkreuz aufgestellt hat. Damit hatten die Bergsteiger ein Ziel, das sie von der Hütte aus noch ansteuern konnten.
 
Vor einiger Zeit hatte ich genau zu diesem Thema ein interessantes Erlebnis an der Theke.
Wo er denn von der Hütte aus noch rauf gehen könne, wollte ein augenscheinlich eher alpenfern lebender Gast von mir wissen.
Mit dem RAUF gibt es am Matrashaus ein Problem -  rauf könne man leider nur noch auf den Kamin klettern, weil das Matrashaus schon am Gipfel und somit am höchsten Punkt steht.
Er sei schließlich nicht das erste Mal auf einer Hütte, und deshalb wisse er, dass alle Hütten noch einen Hüttengipfel haben, auf den man noch rauf gehen könne.
Kein Problem, auch wir haben noch solche Hüttengipfel.
Ganz beliebt ist der Lammkopf. Erst ein wenig Richtung Westgipfel absteigen und dann geht es die nächsten eineinhalb Stunden in beständigem Auf und Ab bis zum schönen neuen Gipfelkreuz am Lammkopf.

das Lammkopf Gipfelkreuz beeindruckt nicht nur mit Regenbogen

 

Ich habe ihn wohl nicht richtig verstanden. Er will nicht absteigen, sondern auf den Hüttengipfel aufsteigen.
Erneut versuchte ich ihm verständlich zu machen, dass es vom höchsten Punkt nur nach unten geht. Wenn man mal ein Stück unten ist, kann man schon wieder nach oben.
Aber zuerst muss man nach unten!
Er will aber nicht nach unten, er will nach oben!
Nach oben geht es vom Matrashaus aber nicht mehr!
Sichtlich erbost über einen so dermaßen uneinsichtigen Hüttenwirt wendet sich der Gast an seine Frau, die nur hilfesuchend ihre Augen nach oben wendet.
 
Mit Vernunft scheint hier weder ein Weg nach oben noch nach unten zu führen.
Im Geiste bedankte ich mich beim Hermann Hinterhölzl für das Kreuz am Westgipfel.
Durch unser Küchenfenster zeige ich dem Gast den Westgipfel. Das dort sei unser Hüttengipfel. Auf den könne er noch rauf steigen. Den Satz „vorher runter“ vermeide ich aber im Sinne einer friedliche Lösung geflissentlich.
Jetzt offensichtlich zufrieden wendet sich der Mann zum Gehen und ich höre nur noch wie er zu seiner Frau sagt:
„Siehst Du – geht doch!“
 
Und alleine schon deshalb braucht es Gipfelkreuze.

Wolkenmeer überm Westgipfel, dem Hüttengipfel

 
 
 
Samstag,15. Juli 2017
 
 
 
 
 
 
So sah es heute Morgen bei einem Blick aus dem Gaststuben Fenster aus.
Besonders viel Schnee wird es wohl nicht sein, ich schätze so maximal um die 5-10 cm. Aber in der Nacht ist dann doch ein beständig stürmischer Wind gegangen, so dass es den Schnee in den Mulden und Löchern, aber auch im Windschatten des Matrashauses stärker abgelagert hat.
 
Die Fragen aller Fragen lautet heute am Telefon - können wir morgen den Königsjodler gehen?
Wirklich beantworten kann ich das nicht. Selbstverständlich hängt das wie immer von jedem einzelnen, und seiner alpinen Erfahrung ab.
 
Aber was mit dieser Frage wahrscheinlich eher gemeint ist, wie ich morgen die Verhältnisse einschätze.
 
Der Wetterbericht kündigt für morgen Wetterberuhigung an.
In der Früh und am Vormittag letzte Regenschauer, aber auch schon zeitweise Sonne.
Der Bergwetterbericht der ZAMG sagt in 2000 m zu Mittag 4-7 Grad, und in 3000m um minus 2 Grad voraus.
 
Wenn das so stimmt, wird der Schnee morgen im Königsjodler noch nicht verschwunden sein.
Und ob es morgen Vormittag schon schön genug ist, wage ich izu bezweifeln.
Wie weit es runter geschneit hat, weiß ich auch nicht, weil wir noch in den Wolken stecken.
 
Also wer sich seiner alpinen Fähigkeiten nicht absolut sicher ist, und dazu gehört auch die Fähigkeit wieder umdrehen zu können, sollte morgen den Königsjodler aus seiner "to do Liste" streichen.
 
Bis jetzt ist auch noch niemand von den übriggebliebenen heutigen 30 Buchungen bei uns angekommen. Ich bin gespannt, was die von den Verhältnissen am Normalweg zu berichten haben.
 
Vorgestern habe ich ein Bild bekommen, das die aktuellen Verhältnisse im Birgkar zeigt.
 
 
Dieses Schneefeld liegt meist bis in den August hinein genau in der Querung.
Bei dieser Querung bewegt man sich, wie auch sonst im Birgkar, im absoluten Absturzgelände.
Wenn das Schneefeld also hart ist ist, muss man dort allerhöchste Vorsicht walten lassen. Ein leicher Pickel in der Hand kann dann sehr hilfreich sein.
 
Der Aufstieg über die Teufelslöcher ist schon seit einiger Zeit schneefrei, und wie ich inzwischen erfahren habe, soll sich auch im Herzogsteig beim Übergang ins Steinerne Meer nur noch an ganz kurzen, unproblematischen Stellen der ein oder andere kleine Schneefleck gehalten haben.
 
Der jetztige Neuschnee wird ab Montag sicher keine Probleme mehr machen. Den hat die Sonne bis dahin sicher weg geputzt.
 
 
 
 
Dienstag, 11. Juli 2017
 
Die Verhältnisse:
Der Wetterbericht ist weiterhin unbeständig. Auch wenn von abklingenden Regenschauern, einiges an Sonne oder auch warm mit Sonne die Rede ist, gehen bei uns immer wieder teils heftige Regenschauer und auch Gewitter nieder.
Ich würde den Wetterbericht zur Zeit nicht zu wörtlich nehmen und jederzeit mit Regen und auch Gewittern rechnen.
Zum Wochenende hin scheint sich das Wetter zu stabilisieren.Leider auf der schlechteren Seite.
 
Die Normalwege (Arthurhaus und Ostpreußenhütte) sind gut zu begehen.
Man braucht keine Steigeisen oder Seil.
Der Klettersteig Königsjodler ist schneefrei und die alljährliche Reparaturbegehung wurde auch schon gemacht. Alle lockeren Haken sind wieder eingeklebt.
Im Birgkar sind noch ein bis zwei Schneefelder. Ich rate grundsätzlich vom Abstieg übers Birgkar ab, es ist einfach nur gefährlich und bringt keinen wesentlichen Zeitvorteil.
Der Aufstieg durch die Teufelslöcher ist schneefrei.
Beim Übergang ins Steinerne Meer zum Kärlinger- oder Riemannhaus sind beim Abstieg über den Herzogsteig noch einige kurze, und ein längeres Schneefeld zu queren. Wenn die hart sind, kann ein Pickel sehr hilfreich sein.
 
 
Die letzte Juni Woche ist zu unserem Glück recht ruhig verlaufen. Wir waren über das schlechte Wetter wirklich nicht böse, denn endlich konnten wir einen Teil der Arbeiten erledigen die wir eigentlich in aller Ruhe im sonst ruhigen Juni erledigen wollten.
Beim ersten Versorgungsflug hatten wir insgesamt 160 kg Fleisch rauf geflogen das alles noch verkocht werden sollte.
Die Tage bestanden also zu einem großen Teil aus Zwiebeln schneiden und Gulasch kochen.
Für die erste Juli Woche war der Wetterbericht wieder besser, das war auch in unserem Sinn, denn jetzt sollten auch Denisa und Estera kommen.
Denisa arbeitet schon die fünfte Saison auf dem Matrashaus und Estera, ihre jüngere Schwester, kommt dieses Jahr zum ersten Mal.
Da ich beide auch noch auf der Gemeinde anmelden musste, bin ich letzten Dienstag ins Tal abgestiegen.
Weil ich diesmal außer der Anmeldung im Tal nichts zu erledigen hatte, habe ich gleich noch einige Markierungsstangen mit runter getragen, die im unteren Teil gefehlt haben.
Markierungsfarbe nahm ich auch noch mit, denn morgen  beim Aufstieg wollte ich noch einiges im Bereich der Torsäule markieren.
 
Start am Matrashaus mit den fehlenden Markierungsstangen
 
Immer wieder werde ich gefragt wie lange ich für den Auf- oder Abstieg brauche. Die meisten erwarten, dass ich als Hüttenwirt besonders schnell bin. Die Zeiten sind aber lange vorbei, oder waren wahrscheinlich auch nie da, in denen ich irgendwelche Fabelzeiten erreicht hätte.
Einmal bin ich gezwungenermaßen so schnell ich konnte zum Arthurhaus abgestiegen – 1:45 h und eine Woche Knieschmerzen. Inzwischen bin ich älter und vernünftiger geworden und mache solchen Blödsinn nicht mehr.
Und überraschenderweise kommt mir der Weg umso kürzer vor je langsamer ich gehe.
Auch wenn das widersinnig klingen mag, aber vielleicht liegt es daran, dass ich mich bei einem gemächlicheren Tempo nicht so auf jeden Schritt konzentrieren muss.
 
Bei der Mittenfeldscharte bot sich durch den schmalen Durchgang ein eindrucksvoller Blick auf hoch aufquellende Wolken über dem kleinen Bratschenkopf, und an der Schweizer Tafel fand ich ein Stück Papier. Ich wollte es schon als Müll einfach in die Hosentasche schieben, da sah ich, es war eine Karte von einem Ballon Wettbewerb.
Ich habe mit Kindern auch schon einige Male Ballons vom Matrashaus starten lassen, aber bisher ist noch keine Rückmeldung gekommen.
Dieser Ballon, dessen Karte ich gefunden habe, war in der Nähe von München gestartet worden. Natürlich habe ich die Karte zurück geschickt, schließlich ging es bei dem Wettbewerb um den Gewinn eines Handballs.
 
Quellwolken über dem Kleinen Bratschenkopf.
 
Die unbeliebteste Wegstrecke sowohl bei meiner Frau wie auch bei mir ist der Teil unterhalb der Torsäule. Wahrscheinlich liegt das daran, dass wir den Bereich oberhalb der Torsäule  ein wenig wie unseren Vorgarten betrachten.
Das Wort Garten ist natürlich nicht so passend, denn dort oben wächst nicht mehr viel.
Ich bin sowieso keiner für das ganze Grünzeug. Wenn ich zuhause mit den lebenserhaltenden Maßnahmen bei den Zimmerpflanzen betraut werde, werde ich schon jedes Mal nervös. Warum kann man beim Blumen gießen nicht klare Ansagen machen: jeden zweiten Tag  125 Milliliter. Meinetwegen auch noch Menge und Zeitraum bei den diversen Pflanzen unterschiedlich regeln, aber solche Hinweise wie: „ das sieht man wann und wieviel Wasser die Pflanzen brauchen!“ hilft mir gar nicht weiter. Ich sehe das nicht, und deshalb überleben bei mir bestenfalls Kakteen.
Ich bin eher ein Freund von Pflanzen in der Natur. Da muss sich ein anderer ums Blumengießen kümmern.
Die Almrauschblüte am Funtensee ist bekanntermaßen berühmt. Aber was ich diesmal beim Abstieg vom Hochkönig an Almrausch gesehen habe kann sich durchaus auch sehen lassen.
Ganze Felder standen links und rechts des Weges in voller Blütenpracht.
 
Die Torsäule in Wolken - der Almrausch in der Sonne
 
Am Mittwoch fuhr ich mit Denisa und Estera gleich ganz früh zur Gemeinde in Werfen.
Bei der  Anmeldung ging alles problemlos, denn zum Glück sehen auch Ämter und Behörden die umliegenden Berghütten ein wenig auch als „ihre“ Hütten.
 
Aus meiner geplanten Markierungsaktion wurde aber nichts mehr. Jeni hatte gestern mehr als  30 Übernachtungen alleine zu bewältigen, und für heute waren über 40 Buchungen gemeldet. Tatsächlich wurden es am Ende über 60.
Nur noch kurz in der Mitterfeldalm auf einen gespritzten Apfelsaft und eine Kaspressknödel Suppe einkehren und dann los aufs Matrashaus. Nicht Vollgas, weil ich heute oben noch arbeiten sollte.
Jeni hatte schon alles für den Abend vorbereitet als ich auf der Hütte ankam. Den weitaus größten Anteil stellten heute die tschechischen Gäste. Wie uns später wieder bewusst wurde lag das an dem heutigen staatlichen Feiertag in Tschechien.
 
Aber nicht nur Denisa und Estera sind heute gekommen, sondern diesmal ist auch noch die Familie von Denisa mit dabei. Christi, ihr Mann hat die dreijährige Medea aufs Matrashaus getragen. Und Medea hat die nächsten Tage das Matrashaus unsicher gemacht.
 
Medea, dieTochter von Denisa und Christi fühlt sich offensichtlich wohl in der Matrashaus Küche
 
Am Abend war ich grade beim Abspülen, als Jeni von draußen rein kam. „ Roman diese Wolken musst du dir unbedingt anschauen, das habe ich bisher auch noch nicht gesehen.“
Und tatsächlich, über dem Alpenhauptkamm hatte sich eine Gewitterfront aufgebaut, die von der untergehenden Sonne auch noch tiefrot angestrahlt wurde.
 
die fotogene Gewitterfront überm Alpenhauptkamm
 
 
so ein Schauspiel hält niemanden mehr in der Gaststube
 
 
 
bald wird das blitzgeschädigte Gipfelkreuz durch ein neues ersetzt
 
 
Der Rest der Woche verlief für uns wieder ruhiger. Zum einen hatten wir deutlich weniger Gäste und zum anderen waren wir ab jetzt auch zu viert.
 
Problematisch wurde nur zum Wochenende hin das Wetter, oder besser das Wetter in Kombination mit dem Wetterbericht.
Für Samstag war das Matrashaus voll ausgebucht.
Der Wetterbericht kündigte Badewetter an, nur ein paar Restwolken von den nächtlichen Gewittern könnten noch ein paar Regentropfen bescheren.
Die Bergrettung Dienten wollte um vier Uhr früh starten um den Sockel für die das neue Gipfelkreuz zu betonieren. Das Wetter sollte ja passen.
Nachts um zwölf wurde ich vom Regenprasseln auf unserem Dachfenster geweckt und früh um fünf Uhr war draußen immer noch Sauwetter.
Das sah nicht nach Restwolken aus.
Um acht Uhr stand schon Christoph von der Bergrettung Dienten vor mir. Nur ein kurzes Frühstück und sofort begannen sie mit den Bohrarbeiten für den Gipfelkreuz Sockel.
Die Regenpause musste genutzt werden.
 
Einbohren der Grundplatte für das neue Gipfelkreuz
 
 
die Bohrlöcher müssen ausgeblasen werden, damit der Kleber hält
 
inzwischen schlauer geworden benutzen wir die Kohlensäureflasche zum Ausblasen
letzte Betonarbeiten am Gipfelkreuz Sockel
 
 
Als die Bergretter nach getaner Arbeit gegen Mittag wieder ins Tal absteigen konnten, hatte sich das Wetter nicht wie angekündigt verbessert, sondern im Gegenteil noch verschlechtert.
Der Wind peitschte den Regen manchmal fast waagerecht daher und uns wurde klar, heute würde kein guter Tag werden.
 
Laut  Buchungsliste waren auch 4 Familien mit Kindern angekündigt.
Bei Erwachsenen bin ich inzwischen schon fast skrupellos. Die sollten alt genug sein um zu wissen was sie tun, und müssen die Konsequenzen für ihre Entscheidungen selber tragen. Natürlich helfen wir ihnen wenn es möglich ist, aber ich mache mir im Vorhinein keine Gedanken und Sorgen mehr.
Ganz anders aber bei Kindern. Die können selbst nicht alleine umkehren und sind letztlich auf die richtigen Entscheidungen der Erwachsenen angewiesen.
 
Um kurz nach zwei kamen die ersten beiden Kinder mit ihrem Vater an.
Nur Turnschuhe und eine kurze Hose. Darüber so eine Plastikhaut wie sie selbst die Tschechen seit Jahren nicht mehr benutzen. Beide völlig durchgefroren und sichtlich am Ende ihrer Kräfte.
In solchen Situationen bin ich um meine Frau froh. Die sofort weiß was zu tun ist. Nicht nur die beiden Kinder wieder trocken und warm zu bekommen, das würde ich auch noch hinbekommen, sondern den Kindern auch den oft noch wichtigeren Zuspruch und die Zuwendung zu geben.
Bald darauf das nächste Kind, schon etwas älter, eigentlich schon  ein Jugendlicher mit 15 Jahren. Er kann sich kaum noch auf  den Beinen halten und Jeni versorgt ihn in unserer Küche.
 
Zeitgleich kommen auch die ganzen anderen angemeldeten Gäste. Ebenfalls nass und durchgefroren. Jeni kann mir jetzt nicht in der Küche helfen, aber zum Glück haben die allermeisten wenigstens Verständnis für die Situation und bringen die notwendige Geduld auf.
 
Bei den Kindern der restlichen Familien gab es glücklicherweise keine Probleme. Sehr viel macht da einfach die Erfahrung der Eltern und die richtige Ausrüstung aus.
Man kann nicht generell sagen bei solchen Wetterverhältnissen darf man mit Kindern nicht draußen unterwegs sein. Aber es gehört einfach sehr viel mehr Erfahrung und die richtige Ausrüsung dazu.
Unter den Gästen im Gastraum entspann sich eine Diskussion. Ein Schuldiger musste her und war auch gleich gefunden – der Wetterbericht.
Der hatte sehr viel besseres Wetter prognostiziert als dann tatsächlich eingetroffen ist.
Erbost wurde wurde demonstrativ das Smartphone in die Höhe gehalten.
„Da schau her, in meiner Wetter App – sonnig und fünf Grad!“
 
Ich verrate Euch jetzt ein Geheimnis.
Wenn Das Stammhirn meldet, es blitzt und donnert, der Regen kommt quer daher und die Finger sind steifgefroren. Dann ist Gewitter angesagt - auch wenn das smartphone mit seiner Wetter App etwas ganz anderes behauptet.
 
Gegen Spätnachmittag war die mittägliche Gewitterfront durchgezogen und kurz zeigte sich wie versprochen sogar die Sonne.
Leider nicht lange und das nächste Gewitter war im Anzug. Diesmal hatte die Gewitterzelle direkt den Hochkönig ins Visier genommen und wir sahen durchs Küchenfenster schon die ersten Blitzeinschläge am Lammkopf.
Wie immer schaue ich vor die Haustüre und durch die Gaststubenfenster ob noch jemand draußen ist.
Und ich traute meinen Augen nicht. 
Vermeintlich durch den kleinen Dachvorsprung vor dem ärgsten Hagel geschützt, beobachtete  ein junges Paar engumschlungen und mit glückseligem Blick das Naturschauspiel wie Blitz und Donner immer näher rückten.
Und um dem ganzen noch die Krone aufzusetzen saßen die beiden auch noch genau auf dem Blitzableiter vom Matrashaus.
 
Ich hab’ nur noch das Fenster aufgerissen und nach draußen gebrüllt:
„ Ja Ihr Wahnsinnigen, sofort in die Hütte!“
Ich kann anscheinend ziemlich böse schauen, denn dem erschrockenen Blick nach zu urteilen hatten sie in dem Moment mehr Angst vorm Hüttenwirt als vorm Gewitter.
In der Hütte zurück wurde ich von den beiden noch mit einem beleidigten Blick bedacht und dann verkrochen sie sich hinter ihr Smartphone.
 
So schnell wie das Gewitter aufgezogen war, hatte es sich auch wieder verzogen, und Estera konnte das Besteck des Abendessens mit den letzten Sonnenstrahlen des Sonnenuntergangs abtrocknen.
 
Estera trocknet das Besteck am Küchenfenster
 
 

ein Blick durchs Küchenfenster nach Abzug des Gewitters.

 
 
 
Montag, 3. Juli 2017
 
Der Wetterbericht hatte für das Wochenende vollkommen recht - nur den Schneefall hatte er nicht angekündigt.
Viel Schnee ist über die letzten Tage zum Glück nicht zusammen gekommen.
Unter Tags hat es meistens wieder ein wenig getaut, in der Nacht wieder geschneit, so sind in Summe sicher nicht mehr als 5-10 cm Neuschnee zusammen gekommen. Ab morgen soll das Wetter sogar bis über das Wochenende hinaus besser werden, dann wird auch der neue Schnee nur noch Schnee von gestern sein.
Weil jetzt alle auf den Königsjodler spekulieren, sobald es warm wird ist auch dort der Neuschnee weg.
Ich denke ab Donnerstag wird der Königsjodler ziemlich sicher gehen, ob schon am Mittwoch hängt davon ab, wie warm es morgen am Dienstag tatsächlich werden wird.
Ich würde am Mittwoch zwar nicht mehr mit viel Schnee rechnen, allerdings kann es stellenweise noch naß sein, und wenn's nicht warm wird vielleicht sogar an einigen schattigen Stelllen vereist.
Aber wie gesagt alles eine Frage der Temperaturen am Dienstag.
 
Die Normalwege sind auch sicher morgen schon kein Problem mehr und an den anderen Anstiegen (Teufelslöcher, Herzogsteig) würde ich mindestens eine Pickel mitnehmen.
 
Im Birgkar sind noch einige harte Schneefelder, wer sich da rein begibt muss selbst wissen was er tut. Ich persönlich bin kein Freund vom Birgkar und empfehle eher den Abstieg zum Arthurhaus.
Von dort geht jetzt der letzte Wanderbus zurück zum Parkplatz Erichhütte um 18:00 h. Und wem das noch zu spät ist, sollte vielleicht darüber nachdenken, ob der Königsjodler doch nicht der richtige Klettersteig für ihn ist.
 

 

 

Donnerstag, 29. Juni 2017

Zu den Verhältnisssen:

Das Wetter wird die nächsten Tage weiterhin unbeständig sein und zum Wochenende hin eher noch schlechter werden.

Wer sich nicht 100% sicher ist, dass er auch bei schlechtem Wetter aufs Matrashaus kommen wird, sollte auf jeden Fall seine Buchung stornieren, damit die Vorauszahlung nicht verfällt.

 

Der Normalweg ist nach wie vor gut zu begehen. Die Schneefelder machen kein Problem. Steigeisen, Seil etc. sind nicht notwendig.

 

Der Klettersteig Königsjodler ist schneefrei und gut zu begehen. Einige Befestigungen sind zwar locker, sollen aber in der nächsten Zeit repariert werden.

 

Übers Birgkar steigen zwar vereinzelt Leute ab, es gibt aber immer noch ein paar Schneefelder und ich rate von einer Begehung ab.

Wer sich aber unbedingt einen Abstieg durchs Birgkar einbildet sollte Steigeisen und/oder mindestens einen Pickel mitnehmen.

 

An den Verhältnissen am Herzogsteig (Übergang ins Steinerne Meer) und am Anstieg über die Teufelslöcher wird sich nichts wesentliches geändert haben. Dort werden noch einige Schneefelder sein und ich würde Steigeisen und/oder Pickel mitnehmen.

 

Wir werden des Öfteren gefragt, ob uns hier oben nicht langweilig wird, wenn nicht viel los ist, und wenn ich so an die letzte Woche denke, kann ich mit einem ganz klaren NEIN antworten.

Aber mal der Reihe nach was so alles passiert ist.

Es war doch für Freitag früh eine große Hubschrauber Versorgung geplant. 

Also bin ich am Mittwoch schon um kurz nach vier Uhr vom Matrashaus aufgebrochen. Das Wetter war nicht so besonders, aber das ist im Dunkeln eh egal.

früher Aufbruch vom Matrashaus

Ich habe mich nicht so besonders auf meinen Tal Ausflug gefreut, denn dort unten erwarteten mich Temperaturen um und über dreißig Grad. Und das ist ein Temperaturbereich den ich einfach nicht mehr gewohnt bin.

So gegen fünf, halb sechs Uhr war ich am Schweizer Schartl und im Osten kämpfte sich die Sonne durch eine erste Wolkenlücke.

langsam kommt die Sonne hoch

und kämpft sich durch die ersten Wolkenlücken.

Ich hatte die Hoffnung, dass es unten im Tal doch nicht so heiß werden würde. Auf dem Weg zur Mitterfeldalm legte ich mir schon einen Schlachtplan zurecht.

Auf keinen Fall in der Küche nieder setzten, denn sonst war die Gefahr viel zu groß, dass ich mich bei Hans und Maria verratschen würde. Und das konnte ich mir diesmal bei meinem knappen Zeitplan nicht erlauben.

An der Mitterfeldalm angekommen wollte Maria gerade für Einkäufe ins Tal fahren, und so konnte ich das letzte Stück bis zum Arthurhaus mit ihr mitfahren.

Mittwoch und Donnerstag liefen sehr viel besser als ich zu hoffen gewagt hätte.

Die Feuerlöscher mussten überprüft werden und das lief fast nebenher, alle Einkäufe gingen reibungslos und auch alles Material, das ich rauf zum Abflugplatz am Arthurhaus bringen musste, konnte ich bis Donnerstag Abend  liefern und flugfertig verpacken.

Alles war bereit für die geplante Hubschrauber Versorgung am Freitag Morgen. Jetzt muss nur noch das Wetter passen.

Da rief mich Mario von HELI AUSTRIA an, ob wir den Termin nicht auf Freitag Mittag verschieben könnten. Sie hätten eine dringende Beton Baustelle.

Natürlich hätte ich einfach sagen können Termin ist Termin, aber schon fast 20 Jahre machen wir alle unsere Hüttenversorgungen mit der Firma von Roy Knaus und inzwischen kennen wir uns so gut, dass wir wissen, was auch für den jeweils anderen wirklich wichtig ist.

Denn im umgekehrten Fall wird uns genauso geholfen.

Und wie sich gezeigt hat, war es sowieso wurscht.

Am Freitag Morgen blies am Matrashaus ein stürmischer Wind aus Nordwest mit Böen bis 50 km/h. Also absolut kein Flugwetter.

Der Wetterbericht sagte eine leichte Besserung voraus, aber ob das reichen würde war noch unklar.

Trotzdem musste eine Entscheidung her, denn angefangen vom Metzger, über die Eierlieferung bis zum Bäcker musste ich Bescheid sagen, ob sie die Waren liefern sollten.

Eine Stunde Vorlaufzeit war da das Minimum.

Zusätzlich sollten auch noch Sepp der Gas- und Wasser Installateur und Jürgen von der Telekom mit aufs Matrashaus fliegen.

Jürgen war schon gestern auf die Mitterfeldalm gegangen und konnte problemlos zum Abflug kommen, aber mit Sepp war das ein wenig schwieriger, denn der hatte von Berchtesgaden etwa eineinhalb Stunden Anfahrt.

Jetzt wird sich nicht unberechtigterweise Mancher fragen, warum jemand aus Berchtesgaden und nicht aus Bischofshofen?

Der Grund ist ganz einfach: Sepp ist ehrenamtlich auch noch Hüttenreferent auf dem Stöhrhaus und außerdem der Bruder von Sigi dem Hüttenwirt vom Kärlingerhaus.

Und als solcher kennt er die ganzen Probleme die mit einer Hubschrauberversorgung von Berghütten verbunden sind.

Zu Mittag waren alle am Arthurhaus versammelt, ein blauweißer Himmel lachte herunter aber trotzdem ging nichts.

Nur der Hochkönig Gipfel hüllte sich in eine Wolke, die selbst der stürmische Wind nicht vertreiben konnte.

Als dann von Westen auch noch dunkle Gewitterwolken aufzogen, war die Entscheidung klar. Flugtermin abgesagt.

In Windeseile mussten alle Frischewaren in den Anhänger verfrachtet werden, denn es begann bereits zu tröpfeln.

Das Brot vom Bäcker Bauer hatte im Anhänger keinen Platz mehr, also schnell alles abdecken, beim Bäcker anrufen und bitten dass sie das Brot und das Knödelbrot wieder abholen mögen.

Der Scheibenwischer vom Auto hatte richtig zu tun, als ich mit den Frischwaren wieder hinunter Richtung Mühlbach fuhr.

Mir ist noch durch den Kopf gegangen ob so ein Hubschrauber eigentlich auch einen Scheibenwischer hat, da muss ich beim nächsten Flug direkt einmal drauf achten.

Bei Georg im SPAR Markt in Mühlbach habe ich mit meinen Sachen fast die Hälfte seines Kühlraums belegt, und auch in seinen Gefriertruhen war nach meiner Rücklieferung nicht mehr viel Platz für seine eigenen Sachen.

Hoffentlich klappt morgen der Flug, sonst wird es für ihn eng werden.

So plötzlich wie der Regen gekommen war, hat er sich auch wieder verzogen.

Meine vierjährige Nichte Leonie war mit meinem Bruder diesmal auch am Abflugplatz gewesen, um sich so eine Hubschrauberversorgung anzuschauen. Das hatte leider nicht geklappt, aber dafür konnten wir den Spielplatz am Arthurhaus ausgiebig testen.

Bei Heidi vom Arthurhaus hat sich Leonie zuerst etwas zu trinken besorgt und dann wurde wirklich alles ausgiebig ausprobiert und getestet.

Leonie bekommt von Heidi Trinkvorrat

Leonie liebt Tiere und da ist das Arthurhaus ideal. Angefangen von den Murmeltieren, Futter gibt’s im Arthurhaus,  bis zu den Schweinen musste Leonie alle Tiere füttern und streicheln.

Am alten Traktor wird Bauer gespielt und dann gleich wieder zur Rutsche am Spielplatz gerannt.

Ich glaube Leonie hat die fehlgeschlagene Hüttenversorgung nicht bereut.

"Morgen bin ich wieder da" So verabschiedete sich Leonie von Heidi.

Leonie spielt Bauer auf dem alten Arthurhaus Traktor

Für mich stellte sich die Frage, wann können wir den nächsten Versuch für die Hüttenversorgung starten?

Morgen am Samstag früh stehen beim Hubschrauber wieder 2 Betonbaustellen an.

Aber am Nachmittag würde es gehen.

Für mich ist der Samstag Nachmittag aber problematisch.

Zuerst einmal hat der SPAR Markt am Samstag nur bis Mittag auf. Das ließe sich zur Not noch regeln, denn Georg würde wegen mir länger im Geschäft bleiben, damit ich die Frischwaren aus dem Kühlraum holen könnte.

Das größere Problem liegt aber woanders. Sollte die Versorgung wieder nicht klappen, wird es für mich knapp noch am späten Nachmittag aufs Matrashaus aufzusteigen.

Denn für den Samstag hatten wir an die 40 Anmeldungen und das würde für meine Frau alleine kein Spaß werden.

Diesmal kam HELI AUSTRIA mir entgegen.

Wenn wir ganz früh, schon um kurz nach sieben Uhr, mit den Flügen beginnen, würden sie die Betonbaustellen nach hinten verschieben.

Sollte  das Wetter allerdings wieder nicht passen, kann der Hubschrauber nicht auf bessere Flugbedingungen warten.

Ich war bester Dinge, denn der Wetterbericht kündigte für den Samstag schönes Wetter an, und von starkem Wind war dort auch keine Rede mehr.

Am Samstag bin ich kurz nach drei Uhr aufgestanden, Jeni am Matrashaus anrufen – es ist immer noch stark windig, fast stürmisch, aber es hilft nichts es muss eine Entscheidung getroffen werden.

Der Wetterbericht hat gut gesagt, also wird es schon klappen.

Nach Mühlbach fahren, alle Frischwaren wieder in den Anhänger verladen, rauf zum Arthurhaus fahren, um halb sechs Uhr Sepp in Berchtesgaden anrufen – wir fliegen, Bauer Wolfgang anrufen, Du kannst das Brot bringen – wir fliegen.

Jürgen von der Telekom hat noch eine Nacht auf der Mitterfeldalm abgewartet, ich rufe ihn an – wir fliegen.

Chris von der Bergrettung Dienten anrufen, er kann das Material für den Sockel des neuen Gipfelkreuzes bringen – wir fliegen.

Natürlich glauben alle - wir fliegen, denn überall ist ein Traumwetter.

Traumwetter früh um sechs Uhr am Arthurhaus

Andauernd rufe ich bei Jeni oben am Matrashaus an und schicke sie mit dem Windmesser vor die Hütte.

Anhaltender, stürmidcher Wind aus Nordwest. Windgeschwindigkeit zwischen 15 und 25 km/h dazu immer wieder Böen bis 65 km/h.

Der Wind wird eher mehr statt weniger.

Alle die inzwischen unten am Arthurhaus warten können es fast nicht glauben. Rundherum das schönste Wetter und wir können nicht fliegen.

Vielleicht wird jetzt klar warum ich mir Sepp als Handwerker fürs Matrashaus gewünscht habe. Am Samstag um halb sechs aus dem Bett hauen, eineinhalb Stunden nach Mühlbach fahren um dann unverrichteter Dinge wieder nach Hause zu fahren. Das kannst du wirklich nur mit jemandem machen der die Schwierigkeiten einer Hubschrauberversorgung aus eigener Erfahrung kennt. Sepp raucht ganz entspannt an seinem Zigarillo.

Wir warten noch bis acht Uhr, die Zeit würde zwar für die gesamte Versorgung nicht reichen, aber wir hoffen dass zumindest die Frischwaren hinauf geflogen werden können.

Die Hoffnung stirbt zuletzt, sagt ein altes Sprichwort aber um kurz nach acht ist sie endgültig tot. Der Hubschrauber muss zu seinen Betonbaustellen.

Der Bäcker fährt sein Brot wieder zurück in die Bäckerei.

Sepp fährt wieder zurück nach Berchtesgaden.

Jürgen fährt wieder zurück nach Wien.

Ich fahre die ganzen Frischwaren wieder runter in die Kühlung vom SPAR Markt und gehe dann rauf aufs Matrashaus.

Nächster geplanter Flugversuch: Montag Mittag.

Am frühen Nachmittag bin ich wieder auf der Hütte und kann Jeni bei den Vorbereitungen für die angemeldeten 40 Übernachtungsgäste helfen.

Mancher wird es schon mit bekommen haben, ich, Roman Kurz und das Matrashaus am Hochkönig sind auf facebook.

Über facebook wurde ich nun gefragt, ob im Hüttenbuch ein bestimmter Eintrag wäre, ein Foto von diesem Hüttenbuch Eintrag sei ihm eine Herzensangelegenheit.

Letztes Jahr hat ein Brüderpaar bei uns oben übernachtet. Sie wollten am nächsten Tag übers Birgkar absteigen und hatten sich von meiner Frau davon auch nicht abbringen lassen.

Einer der beiden ist dann im Birgkar tödlich abgestürzt.

Und wie ein deja vu stehen am Samstag wieder 2 Männer vor meiner Frau, bei gleichen Bedingungen, auch der Wetterbericht ist gleich, und wollen sich nicht von einem Birgkar Abstieg abraten lassen.

Ich kann nur sagen: „Jeni lass es gut sein, es macht keinen Sinn.“

Während der Vorbereitungen für das Abendessen, es ist also schon nach 17:00 Uhr, kommt noch ein Pärchen vom Klettersteig.

Auch sie wollen sich von einem Abstieg durchs Birgkar nicht abbringen lassen.

Der Wetterbericht für den Sonntag war schlecht. Nach dem Abendessen schmiedeten Jeni und ich schon Pläne wie wir den vermeintlich dann ruhigen Sonntag verbringen wollten, als gegen 21:00 Uhr ein Anruf von Peter, dem Ausbildungsleiter der Bergrettung Mühlbach kam.

Es sei ein Notruf aus dem Birgkar eingegangen. Vermutlich irgendwo am Notausstieg des Klettersteigs. Ob wir etwas wüssten oder etwas sehen könnten?

Von den Klettersteiggehern auf der Hütte hatte niemand noch so spät jemanden hinter sich gesehen. Drei Gäste, die durchs Birgkar aufgestiegen waren, wussten aber von einem Paar zu berichten dass noch spät in den Birgkar Abstieg eingestiegen war.

Ich selbst habe mich dann aber nicht mehr aus dem Haus getraut, denn inzwischen war ein schweres Gewitter aufgezogen.

Es blitze, donnerte, hagelte, begleitet von einem wilden Sturm. Wer jetzt im Birgkar war kämpfte vermutlich um sein Leben.

Die Bergrettung konnte bei solchen Verhältnissen auch nicht durchs Birgkar aufsteigen, denn bei so einem Gewitter verwandelt sich das Birgkar in ein riesiges Bachbett mit andauerndem Steinschlag.

Man konnte nur abwarten bis sich das Gewitter verzogen hatte.

Nachdem wir alles aufgeräumt, und für das Frühstück am nächsten morgen vorbereitet hatten, gingen Jeni und ich gegen dreiviertel elf Uhr ins Bett.

Wegen des schlechten Wetters am Sonntag wollten die meisten schon um halb sechs Uhr frühstücken, das bedeutete für mich um halb fünf Uhr aufstehen.

Mit der Bergrettung hatte ich besprochen, falls sie meine Hilfe benötigten sollten sie am Matrashaus anrufen. Das Telefon stand neben meinem Bett.

Gegen eins, halb zwei Uhr wurde ich durch das Klingeln des Telefons geweckt. Thomas, der Ortstellenleiter der Bergrettung Mühlbach war dran, ob ich mit heißen Getränken den Bergrettern entgegen gehen könnte. Sie haben die beiden gefunden und steigen mit ihnen zum Matrashaus auf.

Mittlerweile war mir auch schon klar geworden, dass die beiden Geretteten genau die gleichen waren, denen Jeni vom Birgkar abgeraten hatte.

Während ich mich anzog, Tee kochte und meine Ausrüstung zusammen suchte gingen mir Gedanken durch den Kopf die ich besser nicht laut ausspreche.

Ich versuche in jeder Situation auch irgendetwas Positives zu finden, und während ich im Dunkeln Richtung Birgkar marschierte fand ich auch hier etwas.

Ich brauche wirklich nicht jammern, denn im Vergleich zu den Bergrettern, und der Bergretterin, Julia war nämlich auch mit dabei, habe ich wirklich den leichtesten Teil der Aufgabe.

Die letzten Tage habe ich bei den ganzen fehlgeschlagenen Hüttenversorgungen so viel Hilfe und Unterstützung bekommen, da ist diese nächtliche Wanderung wirklich nur ein ganz kleiner Ausgleich.

am Birgkar Ausstieg treffe ich auf die Bergretter mit ihrer „Kundschaft“

Bild von Pez Radacher

Gemeinsam gehen wir den Steig vom Birgkar hinauf zum Matrashaus.

Die letzten Meter zeigt sich im Osten schon ein leichter Morgenschimmer.

zurück zum Matrashaus im Anstieg zum Westgipfel

In der Hütte koche  ich für die Bergretter und die beiden Geretteten noch eine Suppe, bevor sie sich noch ein wenig nieder legen.

Für mich lohnt es sich nicht mehr, denn wie gesagt um halb sechs Uhr kommen die ersten Gäste zum frühstücken.

Noch zeigt sich das Wetter von seiner guten Seite.

Sonnenaufgang am Sonntag Morgen

Aber schon am frühen Vormittag beginnt es zu regnen und wir genießen das Sauwetter.  Endlich können wir in Ruhe die ganzen liegengebliebenen Arbeiten erledigen, denn morgen am Montag muss ich wieder runter ins Tal für den nächsten Versorgungsflug Versuch.

Diesmal muss ich nicht ganz so früh los, es reicht wenn ich um kurz nach fünf Uhr am Matrashaus starte.

Als ich vor die Haustüre trete bläst mir der scharfe Wind den Regen ins Gesicht. Der Wetterbericht vermeldet für heute den schönsten Tag der Woche. Ich brauche mir also gar keine Gedanken machen ob es Sinn macht ins Tal abzusteigen, denn  wenn’s zum fliegen geht, dann sowieso nur heute.

Je weiter ich ins Tal absteige um so mehr bessert sich das Wetter. Der Wetterbericht scheint recht zu behalten.

an der Schweizer Tafel bricht die Sonne durch die ersten Wolkenlücken

Üblicherweise fliegen wir zumeist schon gleich ganz früh. Der spätere Flugtermin hat den Vorteil, dass ich mehr Zeit für die ganzen Vorbereitungen habe.

Also wieder, Frischwaren aus dem Kühlraum vom SPAR Markt holen, Bäcker anrufen, er kann schon in Startposition gehen, wenn der Hubschrauber kommt melde ich mich wieder, Sepp anrufen, die Chancen dass es diesmal klappt liegen nach meiner Einschätzung bei deutlich über fünfzig Prozent – ich soll mich melden wenn ich mehr weiß.

Jürgen von der Telekom ist schon wieder zurück in Wien und Chris von der Bergrettung will den Beton für den Gipfelkreuz Sockel erst bringen wenn der Flug sicher ist.

Um zwanzig nach elf Uhr kommt der Hubschrauber. Etwas früher als erwartet.

Anruf beim Sepp, für ihn wird es zu knapp.

Wir starten aber gleich mit den ersten Flügen, denn wer weiß was sich der Hochkönig wettermäßig wieder einfallen lässt. Der Wind scheint diesmal kein Problem zu sein, aber wenn sich wieder eine der Schönwetter Quellwolken am Gipfel häuslich nieder lässt,  ist es mit der Hubschrauberversorgung auch vorbei.

Hauptsache wir bekommen die Frischwaren aufs Matrashaus, dann spare ich mit beim nächsten Mal einen erneuten Abstieg ins Tal.

Ich bin schon oben auf der Hütte, da kommen Chris mit dem Beton, und Wolfgang mit dem Brot beim Arthurhaus an.

eine Bier Lieferung kommt angeschwebt

(auf der facebook Seite von Matrashaus am Hochkönig ist ein kurzes Video von der Hubschrauber Versorgng zu sehen.)

Heute läuft alles glatt und nach gut 2 Stunden haben wir alle Sachen oben auf der Hütte.

Ich hab’s noch nicht zusammen gerechnet aber geschätzt wurden so um die acht bis neun Tonnen aufs Matrashaus geflogen. Das muss alles in die Hütte geräumt werden.

Bei  den Abtransporten machen die Fäkalien aus dem Trockenklo das meiste Gewicht aus.

Das Unwetter vom Wochenende hat uns aber da einen Streich gespielt, denn die Mulde in die der Hubschrauber die Fäkalien ablädt, war zu einem guten Teil mit Regenwasser gefüllt. Da werden sicher so um die 1000 Liter zusammen gekommen sein. Alles Gewicht, das zum Müll dazu gerechnet wird

Aber Hauptsache wir haben endlich unsere ganzen Sachen auf der Hütte.

Neben der normalen Arbeit, wie für die ankommenden Gäste das Essen kochen, räumen wir die Waren in die Hütte. Wir haben Glück, denn das Wetter bleibt weiterhin schön.

Jeni bereitet gerade das Abendessen für die Übernachtungsgäste vor, ich bringe die Bierfässer in den Bierkeller, da kommt ein Anruf.

„Wir sind etwa 100 Meter vor der Hütte und meine Frau kann nicht mehr weiter!“

Also lasse ich die Bierfässer Bierfässer sein, packe wieder einmal meine Sachen, diesmal allerdings nicht so viel, denn es sind ja nur 100 Meter, und mache mich auf den Weg.

Vorsichtshalber nehme ich gleich noch das neue digitale Bergrettungsfunkgerät und mein GPS mit. Falls wir den Hubschrauber brauchen kann ich gleich die richtige Position durchgeben.

Also nach 100 Metern war noch niemand zu sehen. Auch nicht nach 200, 300 oder 400 Metern.

Ich bin bis zum sogenannten Feldherrnhügel abgestiegen bis ich endlich auf die beiden gestoßen bin.

Das sind so um die zwei bis zweieinhalb Kilometer.

„Das sind aber mehr als 100 Meter.“ sage ich zu dem Mann, als ich dort ankomme.

„Ach – wirklich?“ kommt es erstaunt zurück.

erschöpft am Feldherrnhügel

Vielleicht fällt es leichter sich ein Vielfaches von Hundert vorzustellen  wenn ich es auf unseren Bierpreis beziehe.

2 Kilometer sind zwanzig Mal soviel wie 100 Meter.

Ein Weißbier kostet am Matrashaus 4,20 €

Wenn es zwanzig Mal so teuer wäre, würde es 84,00 € kosten.

Zwanzig mal so viel ist ganz schön viel - Oder?

Wenn’s nur 100 oder 200 Meter gewesen wären, hätte ich die Frau schon irgendwie zur Hütte gebracht. Aber zwei Kilometer geht halt nicht mehr.

Selbst konnte oder wollte sie nicht mehr gehen, also blieb nur der Hubschrauber.

Mit dem Bergrettungsfunkgerät bekam ich keine Verbindung, also stapfte ich wieder zurück zum Matrashaus um von dort den Hubschrauber anzufordern.

„Ich geh wieder zur Hütte und fordere den Hubschrauber an“ sagte ich zu dem Mann.

„In Ordnung.“ war alles was zurück kam.

Also ich erwarte ja keine überschwänglichen Dankesbekundungen aber ein einfaches Dankeschön kann man doch erwarten?

Aber auf der anderen Seite, bei 84 Euro für ein Weißbier? Da würde ich mich auch nicht mehr bedanken.

Wieder am Matrashaus rufe ich beim Bergrettungs Notruf an. Als ich die Position der beiden durchgeben möchte, merke ich dass ich mein GPS unterwegs irgendwo verloren habe.

Ich würde mir am liebsten in den Hintern beißen so ärgere ich mich.

Geht aber nicht, denn trotz Yoga im Winter habe ich es nur zum Schuhbandl binden ohne Hinsetzten geschafft.

Meine Frau weiß am Besten was mit in so einer Situation hilft und schickt mich in den Keller:

„Trag Bierfässer rein.“

Nach ein paar Bierfässern, jedes wiegt 65 kg, habe ich mich wieder beruhigt und mache mich auf den Weg mein GPS zu suchen.

Die Chancen sehe ich nicht besonders hoch, denn meistens finde ich nicht mal meine Lesebrille im Haus ohne die Unterstützung meiner Frau.

Als ich wieder bei unseren beiden Hilfsbedürftigen ankomme, ist auch der Hubschrauber eingetroffen.

Direkt bei den beiden kann er nicht landen, also muss die Frau bis zum vorgesehenen Landeplatz des Hubschrauber selbst gehen.

Der Notarzt frägt mich ob ich den Rucksack der Frau nehmen kann, na klar mache ich das.

der der Notarzt bringt die Frau zum Landeplatz

Als ich mich dort vom Notarzt per Handschlag verabschiede, bedankt sich der bei mir für das Tragen des Rucksacks. Und siehe da, auch dem Mann entlockt das gute Vorbild ein Dankeschön.

Da hat sich zwar schon mancher an der Theke für ein Bier enthusiastischer bedankt, aber aller Anfang ist schwer.

Gleich startet der Rettungshubschrauber

Heute scheint mein Glückstag zu sein, denn auf dem Rückweg zum Matrashaus finde ich tatsächlich auch mein GPS wieder.

Während ich unterwegs auf Wanderschaft gewesen bin, hat Jeni schon weiter die Sachen ins Haus getragen.

„ Was kann es Schöneres geben als bei so einem Wetter und so einer Aussicht zu arbeiten.“ sagt sie mir als ich auf der Hütte ankomme.

Jeni bringt unsere Lieferung ins Haus

„Aller guten Dinge sind drei“ sagt ein altes Sprichwort, und in diesem Sinne bin ich am Dienstag gleich nochmal ausgerückt.

Abends so gegen 19:00 h telefoniere ich mit Harald von der Ostpreußenhütte. Nebenbei erkundigt er sich ob der einzelne Wanderer bei uns schon angekommen ist.

Heute Vormittag um zehn Uhr ist er an der Ostpreußenhütte gestartet.

Bei uns ist er noch nicht aufgeschlagen also suche ich mit dem Fernglas den Weg zur Ostpreußenhütte ab.

Etwa 400 bis 500 Meter vorm Matrashaus sehe ich eine Person am Weg liegen. Sie bewegt sich, steht kurz auf und liegt dann wieder am Boden.

Ich bitte Harald die Bergrettung in Werfen anzurufen, damit ich notfalls über Funk einen Hubschrauber anfordern kann. Dann mache ich mich auf den Weg.

Während ich absteige ist die Person aber schon wieder aufgestanden und weiter gegangen. Dort wo der Ostpreußenweg auf den Normalweg vom Arthurhaus trifft, treffen auch wir aufeinander.

Soweit geht es dem jungen Burschen ganz gut, er hat nur einen Rucksack, so schwer als hätte er seinen halben Hausrat dabei.

Ich nehme ihm den Rucksack ab und ganz gemächlich erreichen wir problemlos das Matrashaus.

Jeni vermutet, dass sein Plan ein Weiterweg ins Steinerne Meer sein könnte. Als wir ihn danach fragen meint er Steinernes Meer oder Abstieg durchs Birgkar.

Von uns kommt so ein kategorisches, unmissverständliches „Kannst du vergessen!!“ dass er sich gar keine weiter Nachfrage nach dem Warum und Wieso traut.

Am nächsten Tag steigt er bei Regen ganz brav zum Arthurhaus ab.

Und jetzt versteht hoffentlich jeder warum uns nie langweilig ist, hier oben am Hochkönig.

 

Dienstag, 20. Juni 2017

Zu den Verhältnisssen:

 

Der Normalweg ist nach wie vor gut zu begehen. Die Schneefelder machen kein Problem. Steigeisen, Seil etc sind nicht notwendig.

Der Klettersteig Königsjodler ist schneefrei und gut zu begehen. Einige Befestigungen sind zwar locker, sollen aber in der nächsten Zeit repariert werden.

Übers Birgkar steigen zwar vereinzelt Leute ab, es gibt aber immer noch lange Schneefelder und ich rate von einer Begehung ab.

Über die Teufelslöcher habe ich keine neuen Informationen, aber ganz aktuelle über den Herzogsteig.

Dort sind noch allerhand, zum Teil auch lange, steile Schneefelder.

Wie gut diese zu begehen sind, hängt immer von den aktuellen Verhältnissen, bzw. Temperaturen ab. Zur Zeit ist es auch nachts so warm, dass der Schnee nicht ganz durchfriert, sehr sichere Bergsteiger haben schon ohne Steigeisen und Pickel gewagt.

Ich rate aber auf jeden Fall zu Pickel und evtl. Steigeisen, weil man nie ganz genau weiß, wie die Verhältnisse vor Ort sind.

Dafür trägt der Schnee aber inzwischen ganz gut, und man bricht nur an den Übergängen zum Fels ein.

An den Verhältnisssen wird sich die nächsten ein/zwei Wochen nichts Wesentliches ändern.

 

 

Der letzte Freitag war einer dieser Tage die wir gar nicht mögen. wir hatten über 30 Anmeldungen und draußen goß es in Strömen. 

Uns war schon klar wie das ausgehen würde. Wer zur Tür reinkommt ist bis auf die Haut durchnäßt und zumeist pysisch und psychisch ziemlich am Ende.

Selbst beim besten Willen ist es uns in so einem Fall unmöglich die Sachen aller Gäste trocken zu bekommen.

Normalerweise heize ich in so einem Fall den Kachelofen ein bis er fast glüht. Dann hängen alle ihre Sachen über den Kachelofen und die gaststube wird zur Sauna.

Natürlich wird da nichts trocken, oder wer käme schon auf die Idee in der Sauna sein Handtuch zu trocknen, aber auf einer Hütte denken die Menschen anscheinend anders und alle sind zufrieden.

Diesmal wollte ich einen Versuch unternehmen vielleicht doch alle Kleidung der Gäste trocken zu bekommen.

Deshalb stellte ich in unserer zweiten Gastube einen Korb auf in den alle ihre nassen Sachen legen sollten.

Ich schleuderte zuerst alles in der Waschmaschine und steckte anschließend die geschleuderte Wäsche in unseren Wäschetrockner.

Und was habe ich für Erfahrungen gemacht?

Auf jeden Fall die eine, sowas werde ich nicht nochmal machen.

Zum einen bin ich von nachmittags um zwei Uhr bis abends um neun Uhr die meiste Zeit mit Wäschetrocknen beschäftigt gewesen.

Im Wäschekorb lag nicht nur nasse Wäsche sondern auch vollkommen trockene Wäsche, die nur vorne an den Ärmeln ein wenig feucht war.

Einer hatte sogar seinen Rucksack Regenschutz zur Wäsche getan - schadet ja nichts wenn auch der getrocknet wird.

Batterien, Taschentücher und dergleichen fanden sich auch im Trockner. Ich hätte also auch noch wie Mama zuhause vor dem Trocknen die Hosentschen durchsuchen müssen.

Aber richtig gefährlich wurde die Sache als ich den Trockner entleerte und ein leises Zischen hörte.

Da hatte doch tatsächlich jemand sein Gasfeuerzeug mit zum Trocknen gegeben.

Ausströmendes Gas im richtigen Gas/Luft Gemisch führt in Verbindung mit der entsprechenden Entzündungstemperatur zur Explosion.

Zu unserem Glück passte wohl die Temperatur oder das Mischungsverhältnis nicht.

 

Die beste Methode die eigenen Sachen zu trocknen glaubt mit sowieso keiner, nämlich draußen im Wind. Selbst wenn der Wind kalt ist, trocknet er immer noch besser als der Saunaofen in der Gaststube.

 

Ich bin ja nicht nur Hüttenwirt, sondern auch selbst in den Bergen und auf Hütten unterwegs. Also kann ich die Situation schon auch aus dem anderen Blickwinkel, dem des Hüttengastes sehen.

Und trockene Sachen gehören mit zum Wichtigsten.

Aber um von so vielen Gästen die Sachen trocken zu bekommen bräuchte es die Heizleistung eines kleinen Kraftwerks in Kombination mit der Luftleistung eines Flugzeug Propellers.

Dann werden viele Sachen schnell trocken.

 

Man ist aber nicht chancenlos. 

Zuerst kann man mal die richtigen Schuhe und die richtige Kleidung dabei haben.

Wanderschuhe aus Leder, vielleicht noch vom Opa vererbt, sind bei solchem Wetter völlig durchweicht. Die können gar nicht an einem Tag getrocknet werden.

Selbst die beste Funktionsbekleidung trocknet nicht über Nacht, wenn beim Aufhängen sich über Stunden noch ein feines Rinnsal aus den Ärmeln schlängelt.

Abhilfe schafft da vorheriges Auswringen.

 

Aber auf einem anderen Gebiet sind wir dafür jetzt vielen anderen Hütten voraus.

Wir sind voll im digitalen Zeitalter angekommen.

Seit wir, nach dem Ausfall des alten Bergbauern Telefons, eine topmoderne LTE Verbindung bekamen, geht das internet hier oben am Matrashaus besser als bei uns zuhause im Tal.

Anscheinend ist jetzt auch noch die sogenannte Störerhaftung weg gefallen, so dass wir auch für die Gäste ein kostenloses und schnelles Wlan anbieten können.

 

Ich gebe aber zu, dass meine Meinung dazu zwiegespalten ist.

Bei uns kann draußen ruhig ein schweres Gewitter nieder gehen, ich werde davon nicht wach.

Aber wenn ich selbst das leiseste ungewohnte Geräusch im Haus warnehme bin ich sofort wach.

In der ersten Zeit unseres Gäse Wlans bin ich nachts des öfteren durch das Haus geirrt auf der Suche nach einem Piepsen, Klingeln oder sonstigen außerirdisch anmutenden Geräuschen.

Bis ich endlich drauf gekommen bin!

Da hat wieder jemand facebook, whatsapp oder sonstige Nachrichten bekommen.

Inzwischen habe ich mich anscheinend daran gewöhnt und lasse facebook und Co wie ein Gewitter über mich ergehen.

 

Natürlich stört es mich auch, wenn morgens die halbe Gaststube auf das Display des eigenen Handy starrt, während draußen ein herrlicher Morgen anbricht.

Erst diese Woche sagte ich zu einem Gast, wenn er jetzt nicht sofort sein Handy weg legt und zumindest eine Minute zum Fenster raus schaut, schalte ich ihm das Wlan ab.

Auf der anderen Seite denke ich mir auch, ob ich nicht doch schön langsam alt werde. Die ganzen digitalen Medien sind heutzutage einfach der Stand der Zeit, und ist es wirklich meine Aufgabe künstlich etwas zu verknappen, was für uns problemlos möglich ist?

Aber auch die Gegner der Digitalisierung kann ich beruhigen.

Auf unseren Plumpsklos friert man um diese Jahreszeit ganz analog mit seinem Hintern an der Klobrille fest.

 

 

Ab Samstag wurde das Wetter langsam besser, und schon am Sonntag Abend war der Himmel wolkenlos.

Wir nähern uns dem astronomischen Sommerbeginn und damit dem längsten Tag des Jahres. 

Wenn der Wetterbericht recht behält sollte uns für den Rest der Woche noch ganz schönes Wetter erwarten.

Wobei natürlich immer kla ist, bei solchen Temperaturen steigt die Gewitter Gefahr.

Aber auch hier ist man nicht chancenlos.

ein früher Aufbruch minimiert das Risiko erheblich.

 

Das alte Gipfelkreuz im letzten Abendlicht

 

 

Noch ein paar Tage und dann ist der Wendepunkt des Sonnenuntergangs erreicht.

 

 

 

Freitag, 16. Juni 2017

 

zu den Verhältnissen:

 

am Normalweg vom Arthurhaus über die Mitterfeldalm geht man ein gutes Drittel der Wegstrecke im Schnee. Es gibt aber eine gute Spur und man bricht nur gelegentlich, dann aber knietief, in den Schnee ein.

Steigeisen, Grödel, Pickel, Seil und Schneeschuhe  kann man alles zuhause lassen.

Der Klettersteig Königsjodler ist fast völlig schneefrei und wird inzwischen recht häufig begangen. Auch hier braucht es keine Steigeisen. Allerdings ist die regelmäßige Frühjahrssanierung noch nicht gemacht worden, und so sind einige der Befestigungen locker.

Von einem Abstieg übers Birgkar ist nach wie vor abzuraten. Vereinzelt sieht man dort zwar jemanden absteigen, aber die allermeisten die vom Klettersteig kommen, sagen, da würden sie zur Zeit freiwillig nicht runter gehen. Selbst Bergführer sind lieber über den Normalweg abgestiegen.

Gestern habe ich auch die ersten Informationen über die Teufelslöcher bekommen.

Der Mooshammersteig, so der Name von der Bertgenhütte bis zu den Teufelslöchern, ist weitgehend schneefrei. Es gibt zwar noch einige Schneefelder, die längsten sind aber maximal so um die 20 m lang wurde mir berichtet.

Das klingt zwar ganz verlockend, ich würde das aber relativieren.

Die Burschen, die mir davon berichtet haben, brauchten bis zum Matrashaus nur viereinhalb statt der üblichen 7-9 Stunden. Gestern waren die Schneefelder alle weich und die Burschen sagten auch noch, dass sie nicht über die Teufelslöcher absteigen würden, da einige der Schneefelder schon an kritischen Stellen sind. 

Also man sollte für die Teufelslöcher auf jeden Fall Pickel und Steigeisen mitnehmen und auch damit umgehen können.

Der Übergang ins Steinerne Meer wurde ja schon am Dienstag beschrieben. Ich glaube da hat sich nicht viel geändert.

Für den Herzogsteig bis zur Torscharte auf jeden Fall Pickel und Steigeisen und beim weiteren Übergang ins Steinerne Meer zum Riemann- oder Kärlingerhaus wird es wahrscheinlich eine tiefe Schneewaterei.

 

Und was ist bei uns hier oben los?

 

Eine Woche haben wir auf Regen gehofft und trotz angekündigten Regenschauern blieb es rund ums Matrashaus trocken und wir konnten unsere Wasservorräte nicht auffüllen.

Ich habe dann sofort angefangen unsere Wasserfassung unten in der Gipfelmulde frei zu graben um möglichst schnell Wasser ins Haus zu bekommen.

Glücklicherweise liegt dieses Jahr deutlich weniger Schnee als die letzten Jahre und so war die Wasserfassung schon nach einem halben Tag frei gegraben. Üblicherweise bin ich da ein bis zwei volle Tage beschäftigt.

Durch die Verlegung des Gestells für die Solarpaneele, am alten Platz hatte eine Lawine das Gestell verschoben, musste ich diesmal gar nichts ausschaufeln.

Solarpaneele montieren, Solarpumpe einbauen und den Controller anschließen sind inzwischen Routine Arbeiten.

Bevor ich den Schalter am Controller von OFF auf ON schalte, muss ich üblicherweise aber nochmal tief durchatmen. 

Denn nicht jedes Jahr funktioniert alles reibungslos, wie das eben so mit elektronischen Bauteile ist.

Auch dieses Jahr leuchtete die "pump on" LED nur kurz auf und dann war wieder Stillstand. 

Ganz ruhig dachte ich mir, vielleicht wurden die ganzen Kondensatoren, Transistoren, Dioden  und Integrierten Schaltkreise von mir zu ruppig aus dem Winterschlaf geweckt.

Es soll Menschen geben die morgens  die ersten fünf Minuten nicht ansprechbar sind. Und das nach nur einer Nacht!

Da muss ich nach einem halben Jahr Winterschlaf jetzt auch etwas Geduld zeigen.

Ich wartete ein paar Minuten und versuchte es noch einmal, und tatsächlich verrichteten Solarzellen, Controller und Solarpumpe jetzt völlig klaglos ihr Werk.

 

 

Die ganzen Donnerstag über wurde Wasser von der Gipfelmulde hinauf aufs Matrashaus gepumpt und ich konnte endlich auch im Haus das ganze Wasser anschließen.

Jetzt gibt es in den Waschräumen Wasser, allerdings eiskalt, unsere Geschirrspülmaschine ist wieder in Betrieb und wir müssen uns nicht mehr aus einem Plastikwandl waschen.

Nach so einer Woche merkt man wieder welch ein Luxus so ein Wasserhahn sein kann. Und wenn aus diesem Wasserhahn auch noch warmes Wasser kommt - der pure Luxus!

Tut mir leid aber diesen Luxus gibt es am Matrashaus nur für Wirtin, Wirt und ab Juli für unsere Hilfen Denisa und Estera..

Für die Gäste wie gesagt leider nur eiskalt. Am Matrashaus kann man sich einen Kindheitstraum erfüllen: einmal ins Bett gehen ohne sich waschen zu müssen.

 

Und ich hätte mich vorher auch wetten getraut, sobald wir Wasser aus der Wasserfassung in der Gipfelmulde bekommen, wird es sicher auch zu regnen beginnen.

Und genau so kam es, den heutigen Vormittag über hat es hier oben geregnet und der Wassertank läuft über.

 

Seit wir das Wasser im Haus haben, hat sich auch mein Streßpegel deutlich gesenkt, denn für nächste Woche Freitag haben wir eine richtig große Hüttenversorgung geplant. 

Ich bin dann unten und muss einkaufen und die ganzen Sachen verpacken.

 

Wir müssen in diesem Jahr wieder einmal die ganzen Fäkalien ins Tal fliegen. Das sind neben den üblichen Abtransporten so um die 6 bis 7 zusätzliche Flüge.

damit der Hubschrauber nicht leer rauf fliegen muss, sollten wir also genügen Material im Tal haben, das auch rauf geflogen werden muss.

Also haben wir beim alleresten Flug zu Saisonbeginn nur das Notwendigste mit rauf gebracht.

Aber dieses Jahr ist alles anders wie gewohnt. 

Das Gas zum Kochen muss über den Winter irgendwo undicht geworden sein, denn die beiden Gasflaschen waren in kürzester Zeit leer.

Wir haben beim ersten Mal aber nur 2 zusätzliche Gasflaschen mitgenommen.

Ebenso das Mischgas für die Schankanlage. Auch da war nach zwei Tagen die neue Flasche schon wieder leer.

auch nur zwei Reserve Flaschen.

Die Entlüftung für die Toiletten funktioniert auch nicht, aber ich hatte bisher nicht die Zeit mich um diese ganzen kleinen, und meist auch lösbaren Probleme zu kümmern, weil einfach die Wasserversorgung im Vordergrund stand.

 

Bisher haben wir schon so viele Übernachtungen wie sonst im ganzen Juni, und wenn es so weiter geht wird es der stärkste Juni überhaupt werden.

Heute ist das Wetter schlecht und wir haben trotzdem an die 40 Anmeldungen. So etwas kommt sonst nicht mal im August vor.

Also haben wir ungewöhnlich viele Gäste und im Haus funktioniert auch nichts wie normal.

 

Zum Glück habe ich da eine Frau die mich eher beruhigt.

"Roman dann gibt es halt nur Fritattensuppe - irgendwie schaffe ich das schon.

Aber so machen wir es das nächste Mal nicht mehr"

 

Versprochen - auch nach fast 20 Jahren am Matrashaus lernt man immer wieder Neues.

 

 

 

 

 

Dienstag, 13. Juni 2017

 

Letztes Jahr kam eher zufällig der Kontakt zu Oliver Bader einem Profi Fotografen  aus Salzburg (http://www.bader-images.com) zustande.

Oliver hat einige Fotos bei uns am Matrashaus gemacht, und als er mich mit meinem neuen Fisheye Objektiv ganz stolz fotografierend herumrennen sah, gab er mir ein paar Tipps, die mir sofort zu besseren Bildern verhalfen.

Im Laufe eines Gesprächs machte Oliver den Vorschlag auf dem Matrashaus einmal am Abend für interessierte Gäste einen kleinen Fotoworkshop zu veranstalten.

Das Ganze macht er sogar kostenlos, Treffpunkt ist am Abend nach dem Abendessen oben am Matrashaus. So dass der workshop genau in die Zeit des Sonnenuntergangs fallen wird.

 

Als Termin ist Samstag der 15. Juli vorgesehen.Als Ausweichtermin bei schlechtem Wetter ist der folgende Samstag (22.7.) vorgesehen. 

Wer Interesse hat kann an diesem Abend einfach am Matrashaus erscheinen. Allerdings sollte er wie üblich einen Schlafplatz über unser Reservierungsportal reservieren.

Dort kann er im Kommentar hinterlassen, dass man an dem Foto Workshop teilnehmen möchte.

 

Oliver und Barbora mit meinem damals neuen Fisheye Objektiv fotografiert

 

Und was mich heute ganz besonders gefreut hat ist eine email, die ich von Philipp bekommen habe. Er war im Steinernen Meer unterwegs und berichtet von den aktuellen Verhältnissen.

Auch wenn viele glauben ein Hüttenwirt muss doch über den Zustand der Wege um seine Hütte Bescheid wissen,bin zu einem großen Teil genau auf solche Informationen angewiesen, denn ich habe selbst nicht die Zeit am hochkönig spazieren zu gehen.

Zur Zeit ist meine Hauptbeschäftigung endlich Wasser ins Haus zu bekommen, und zwar auf dem dafür vorgesehenen Weg über die Wasserleitung  und nicht durch Überschwemmen des Kellers wie letze Woche.

 

Aber hier jetzt der Bericht von Philipp über die Verhältnisse im Steinernen Meer:

 

 

nachdem es vor dem langen Wochenende vielleicht Interessenten gibt und am Samstagmorgen auch schon der Polizei-Heli aus Salzburg  am Wildalmkirchl-Biwak war, hier kurz meine (natürlich rein subjektive) Einschätzung zum Übergang aus dem Steinernen Meer. 

Wir sind Samstagnachmittag mit Ski am Buckel die 1400hm zur Buchauer Scharte rauf und haben dann im Biwak übernachtet.

 

Buchauer Scharte und Schönfeldspitze

 

Ab der Scharte gings dann sehr gut mit den Ski. Nach dem Regen und der Wärme der Nacht davor wär das ohne Ski oder Schneeschuhe oben aber fast ein Ding der Unmöglichkeit gewesen weil man ständig bis über die Knie eingesunken ist. Dazu kommt dann auch noch das Risiko der vielen Löcher, die man unter der zunehmend dünneren Schneedecke noch nicht sieht. Bis zum Biwak mussten wir nur zweimal die Ski kurz tragen.

 

Vom Wildalmkirchl Biwak Blick Richtung Hochbrunnsulzen

 

Am nächsten Morgen dann nach kalter Nacht sehr harter Schneedeckel . Vom Biwak zum Brandhorn mussten die Ski dann weitgehend getragen werden. Vom Brandhorn runter ins Tauchertal am Vormittag dann nordseitig perfekte Firnbedingungen bis ca. 1900m runter. 

Der Hochsailer und Herzogsteig haben aus der Entfernung die übliche Schneefelder (noch relativ groß).

 

Hochsailer und Herzogsteig vom Marterlkopf 

 

Der Herzogsteig sieht mir so aus als ob da noch einige unangenehme Schneefelder drin sind wenn sie hart sind (und auch Seile/Griffe unter Schnee wenn ich mich recht erinnere). Die Torscharte nach Hinterthal runter muss man auf dem Steig kurz unterhalb der Niederen Torscharte noch durch ein ziemlich großes Schneefeld durch. 

 

Eigentlich kann man von der Durchquerung derzeit nur abraten, mit Ski trägt man die zumindest beim Zustieg ziemlich viel, ohne Ski wärs mir derzeit zu gefährlich (Löcher unterm zunehmend dünnen Schnee) und anstrengend (mind. 90% im Schnee). Die Orientierung ist, wenn ortsunkundig, auch noch schwierig weil die meisten Markierungen noch unterm Schnee sind. Trittspuren sind kaum vorhanden. Wahrscheinlich schaugts in zwei Wochen schon viel besser aus.

 

Im Anhang noch a paar Fotos.

Viel Spaß für die Saison 2017!

 

 

 

Sonntag, 11. Juni 2017

 

 

Damit man nicht die ganze Prosa lesen muss, vorab zu den Verhältnissen:

 

Am Normalweg geht inzwischen eine ganz passable Spur rauf. Man geht zwar über weite Strecken im Schnee, aber die Spur trägt gut und man bricht nur gelegentlich in den Schnee ein, speziell beim Übergang von Schnee auf Fels .

 

 

Der Klettersteig Königsjodler ist inzwischen fast schneefrei. 

Allerdings sind einige Winterschäden noch nicht behoben.

Es sollen etwa 7-8 Befestigungen ausgebrochen sein. 3 davon scheinen an solchen Stellen zu liegen, dass die Begehung des Klettersteigs ein wenig erschwert wird.

 

Übers Birgkar ist nach meinem Wissen die letzen 2 Tage niemand abgestiegen. Vielleicht erinnert man sich daran, dass es vor ziemlich genau einem Jahr im Birgkar beim Abstieg nach dem Konigsjodler einen Lawinentoten gegeben hat.

 

Und jetzt zur Prosa:

Als ich am Dienstag am Matrashaus angekommen bin war die Überraschung groß - leider nicht im positiven Sinn.

Mitte Mai war ich aufs Matrashaus gegangen und hatte die Dachrinnen angehängt damit sich der Wassertank im Keller bis zur Hüttenöffnung im Juni anfüllt.

Über den Winter verabschiedete sich aber anscheinend eine der Dichtungen, denn als ich den Keller betrat stand der ca. 20 cm hoch unter Wasser.

Wie es sich für einen See auf 3000m gehört war darüber auch noch eine tragende Eisschicht.

Meine erste Arbeit in dieser Saison bestand also darin den Lago Matrashaus trocken zu legen.

Das ging sogar erstaunlich gut, das einzige Problem ist nur, dass wir jetzt kein Wasser haben.

 

Am Abend traf dann die angekündigte Front bei uns mit Schneegestöber ein.

Leider nützt uns so ein Schneesturm nichts für den Wasserhaushalt, denn der meiste Schnee wird nicht am Dach abgelagert sondern hinter der Hütte im Lee.

Im Winter hat das den Vorteil, dass unsere Solarzellen die meiste Zeit schneefrei sind.

Tja alles kann man nicht haben.

 

Der Wetterbericht war für den Mittwoch gar nicht so schlecht, 

 

 

und wir waren guter Hoffnung, dass unser erster Versorgungs-flug klappen könnte.

Früh um vier Uhr wollten Jeni und ich telefonieren wie das Wetter bei mir oben am Matrashaus ausschaut.

Das Hüttentelefon wollte ich aber noch nicht in Betrieb nehmen. Zuerst die Raumtemperatur auf ein erträgliches Maß ehöhen, denn so ein elektronisches Bauteil wie eine Fritzbox muss man wie einen Grizzly Bären behandeln: nur ganz behutsam aus dem Winterschlaf wecken.

 

Zum Glück gibt es aber im Matrashaus eine Stelle am Fenster, an der mein Handy halbwegs zuverlässig funktioniert.

Also habe ich früh um vier Uhr mit Jeni in Berchtesgaden telefoniert wie das Wetter so ausschaut. Bei mir heroben war es fast wolkenlos und auch der Wind hielt sich in Grenzen. Es sah also ganz danach aus, als ob es mit dem ersten Versorgungsflug in dieser Saison plangemäß klappen würde.

 

Jeni holte noch beim Metzger Obauer in Werfen das Fleisch ab, so das wir gleich zu Saisonbeginn genug Gulasch kochen können. Pünktlich ab sechs Uhr stand sie am Abflugplatz beim Arthurhaus parat.

 

Aber genau um diese Zeit begann sich auch das Wetter zu verschlechtern, immer mehr Wolken zogen auf und hüllten das Matrashaus ein. Nur für kurze Zeit war die Sicht frei und würde einen Hubschrauberflug ermöglichen.

 

 

 

nur für kurze Zeit gaben die Wolken einen Blick nach unten frei

 

Es begann die übliche Prozedur. Eier und Brot vorerst abbestellen. Vielleicht weiß ich in einer Stunde mehr. eine Stunde später wieder um eine Stunde vertrösten, und dann eine weitere Stunde später die endgültige Absage. Das Wetter ist einfach zu unsicher um alle unsere Sachen sicher aufs Matrashaus zu fliegen.

Hier zeigte sich wieder einmal der Vorteil vom regionalen Einkauf. Anni Reitinger, von der wir die Eier beziehen, hat ihren Hof oberhalb von Mühlbach an der Straße zum Arthurhaus, und hat neben den ganz frischen Eiern auch die Möglichkeit sehr kurzfristig auf die Terminänderungen beim Hubschrauberflug zu reagieren.

Und der Bauer Wolfgang von der Bäckerei Bauer hat zwar inzwischen schon, ich glaub' an die 15 Filalen im ganzen Salzburger Land, er nimmt sich aber trotzdem immer noch die Zeit selbst die für ihn wahrscheinlich lächerliche Menge von 10 Laib Brot auch nach der dritten Terminverschiebung kurzfristig zum Abflugplatz zu bringen.

Ich kann es gar nicht oft genug sagen, ohne die Unterstützung im Tal hätten wir hier oben wahrscheinlich schon längst das Handtuch geworfen.

Und die beiden sind bei weitem nicht die einzigen die uns unterstützen, da fallen mir spontan noch ein: der Gerald, die Bärbel, der Hans, die Susi, der Georg....und das wären jetzt nur Leute die mit Warenlieferung zu tun haben.

 

Am Donnerstag soll ein neuer Versuch gestartet werden, diesmal aber eine halbe Stunde früher, denn nicht nur das Matrashaus auch andere Hubschrauberkunden mussten ihre Termine verschieben.

Die Vorgehensweise ist ähnlich wie am Mittwoch:

früh telefonieren, das Wetter ist gut.

Bäcker und Eier auf halb acht zum Arthurhaus bestellen.

Das Fleisch hat Jeni zum Glück beim Georg in die Kühlung stellen können und Bärbel ist schon um sechs Uhr da um Jeni das Fleisch holen zu lassen.

Diesmal sind die Wetteraussichten besser.

Am Matrashaus ist es wolkenlos und der Wind nur in Böen auffrischend bis 40 km/h.

Nicht ganz einfach zu fliegen aber Toni der Hubschrauber Pilot wird das schon für uns hinkriegen. Unten im Tal liegt eine dicke Nebeldecke, hoffentlich findet Toni irgendwo ein Wolkenloch um aufs Arthurhaus zu kommen.

Dort ist genau die Nebelobergrenze, und Jeni kann ein paar schöne Bilder machen.

 

die fertig gepackten Big Bags im Morgenlicht am Arthurhaus

 

 

langsam lichtet sich auch der Morgennebel am Arthurhaus - der Bratschenkopf ist schon frei

 

Das Hüttentelefon geht immer noch nicht. Obwohl ich es ganz vorsichtig aus dem Winterschlaf geweckt habe, verweigert es den Dienst. Ich kann mich darum aber erst kümmern, wenn die Hubschrauber Versorgung abgeschlossen ist. Jetz renne ich immer zwischen dem Telefonstandort am Fenster und dem Landeplatz hin und her.

Mir fällt ein Stein vom Herzen als von Jeni der Anruf kommt "Wir starten gleich!"

 

Bald höre ich das Knattern der Hubschrauber Rotoren, und dann kommt er auch schon näher.

im Anflug auf das Matrashaus - rechts unten das Gipfelkreuz am Bratschenkopf

 

nicht mehr weit bis zur Landung am Matrashaus

 

und so sehe ich den Landeanflug vom Matrashaus

 

der Hubschrauber kurz vor dem Aufsetzen - im Hintergrund die Hohen Tauern

 

Toni fliegt eine Runde übers Matrashaus um die Windbedingungen zu prüfen und dann setzt er zwischen Gipfelkreuz und Matrashaus den Hubschrauber weich in den frischen Neuschnee. Der aufgewirbelte Pulverschnee wird ihm vermutlich ein wenig die Sicht nehmen, aber zum Glück  landet er ja nicht zum ersten Mal bei solchen Bedingungen am Hochkönig.

Philipp der Flughelfer hebt die 3 Kisten Eier aus dem Hubschrauber und dann steigt auch Jeni aus. Und schon ist der Hubschrauber wieder im Sturzflug über die Südwand Richtung Arthurhaus abgeflogen.

Schnell werden die Big Bags mit dem Leergut für den nächsten Abtransport vorbereitet und schon kommt Toni mit der ersten Last wieder herauf.

Es liegt zwar sehr viel weniger Schnee als sonst um diese Zeit rund ums Matrashaus, aber die ebenen Flächen zum Absetzen der Last sind trotzdem dünn gesät. Da ist Präzisionsarbeit vom Piloten gefragt.

Es wäre nicht gut wenn die neue Gefriertruhe schon vor der ersten Inbetriebnahme kaputt ist.

 

Flughelfer Philipp nimmt das Netz und die neue Gefriertruhe darüber in Empfang

 

Abtransport von Leergut 

 

Schnell müssen alle angelieferten Sachen weg geräumt werden um Platz für den nächsten Flug zu schaffen.

aber nach einer knappen Stunde ist alles vom Arthurhaus rauf aufs Matrashaus gebracht worden, ein letzter Abtransport und die beiden, Philipp und Toni verabschieden sich.

Vermutlich werden wir uns in zwei/drei Wochen wieder sehen, wenn wir die Fäkalien aus unserer Kläranlage ins Tal fliegen müssen.

 

Abflug über die Südwand - hinten rechts der Großglockner

 

 

Herzlichen Dank an Toni den Hubschrauber Piloten

 

 

 

Dienstag, 6. Juni 2017

 

Wir sind schon früh um fünf Uhr zuhause in Berchtesgaden losgefahren, weil ich möglichst noch vor der Kaltfront oben am Matrashaus sein wollte.

frühmorgens auf der Tauernautobahn - der Hochkönig leuchtet bereits im ersten Morgenlicht

Und vorher mussten wir noch einige Sachen am Arthurhaus flugfertig verpacken.

Das warme Wetter der letzten zwei Wochen hat den Schnee in enormen Ausmaßen wegschmelzen lassen.

Bis zur Torsäule sind nur noch ein paar wenige,kurze Schneefelder.

Aber ab der Torsäule beginnt der Schnee. Er ist zwar inzwischen relativ fest und wird schon bald der Sommerfirn mit seinen typischen "Badewannen" werden, aber bis auf ein paar alte vereinzelte Trittspuren geht noch keine Spur rauf aufs Matrashaus.

unterhalb der Schweizer Tafel - die Tortsäule spitzt über das Schoberschartl

Ich bin ab der Torsäule mit Schi gegangen, und musste die Schi zwei/drei Mal kurz tragen.

Sollte man mit den Schi abfahren wollen, geht der Schnee auf der Mandlwandseite noch bis unter den kleinen Kniebeisser. Die Schi sind bis zum Arthurhaus also noch eine knappe Stunde zu tragen,

Zu Fuß beginnt der Schnee wie gesagt an der Torsäule, Die Felsrücken sind meist frei, aber insgesamt ist man doch wesentlich mehr im Schnee unterwegs.

hinter der Mittenfeldscharte - die Markierungsstangen schnuppern Frühlingsluft

Wer sich nicht gerne plagen will, sollte noch ein paar Tage warten bis eine Spur rauf geht.

 

 

Pfingstmontag, 5. Juni 2017

 

Unseren ersten Versorgungsflug haben wir für übermorgen Mittwoch geplant. Aber ob der auch tatsächlich klappen wird, steht noch in den Sternen.

Die letzten Tage haben wir schon die die ganzen Sachen, die wir beim ersten Mal rauf fliegen wollen zu unserem Abflugplatz am Arthurhaus gefahren.

Den Flugtermin mussten wir aber schon viel früher ausmachen, ohne zu wissen, wie das Wetter sein wird. Aber das ist immer das gleiche.

 

Auch wenn der Wetterbericht momentan nicht so optimistisch stimmt, müsste nach dem Gesetz der Serie der erste Flugtermin eigentlich klappen.

 

Bisher war es nämlich immer so, wenn wir die Big bags im Regen verpackt haben, hat zumindest der Flugtermin gehalten.

 

Diesmal ist es uns sogar ziemlich egal, denn durch die neue Solaranlage konnten wir den Winter über eine Gefriertruhe durchlaufen lassen, und so haben wir auch ohne Versorgungsflug für die ersten Gäste etwas zu essen.

 

Wenn es morgen nicht gerade Zaunstecken regnet, möchte ich schon mal mit den Schiern rauf gehen, damit ich das Leergut vom letzten Jahr gleich flugfertig verpacken kann.

Jeni würde dann am Mittwoch mit dem ersten Flug rauf kommen.

 

Wir wollen in diesem Jahr zu Anfang noch keine so große Versorgung machen, denn wir müssen heuer wieder die ganzen Fäkalien ins Tal fliegen.

Und für den Abtransport brauchen wir genügend Auftransporte, sonst müsste der Hubschrauber ohne Last aufs Matrashaus rauf fliegen.

 

Ich hoffe, das nächste Mal kann ich mich dann vom Matrashaus melden.

Auf vielfache Anregung hin, haben wir jetzt auch eine facebook Seite für das Matrashaus gemacht.

Ich bin von diesen sozialen Netzwerken kein so besonderer Freund, aber mir wurde geraten, ich solle dort doch zumindest schreiben, wenn es auf der Matrashaus Homepage etwas Neues gibt. 

Die facebook Nutzer würden dann nämlich sofort benachrichtigt.

Also schaun wir mal wie das funktioniert.

 
 

G'schichten vom Hüttenwirt

Wenn ihr mehr über das Matrashaus wissen wollt, dann schaut einfach rein in die "Geschichten vom Hüttenwirt" unter "Extras" ...

Das Matrashaus am Hochkönig in Österreich

Das Matrashaus ist ausgebucht:

Samstag 26. August

Samstag 2. September

An diesem Tag ist ohne Reservierung keine Übernachtung möglich - die Hütte ist voll!

Allerdings können durch kurzfristige Strornierungen immer wieder Plätze frei werden. Überprüfen Sie im Belegungskalender bei Hütten-Holiday ob es zwischenzeitlich wieder freie Plätze gibt. 

Hier geht`s zum Belegungskalender

einfach in das Datum Feld klicken --> ein Kalender öffnet sich

grün = es gibt noch freie Plätze

orange = es gibt nur noch wenige freie Plätze

rot = keine freien Plätze mehr, die Hütte ist VOLL!

 

Das Matrashaus ist eine der höchstgelegenen Schutzhütten der Alpen. Die Hütte steht auf 2941m direkt am Gipfel des Hochkönig.

Der Klettersteig Königsjodler endet am Hohen Kopf, von dort sind es noch ca. 45 Minuten bis zum Matrashaus.


Eigentümer des Franz-Eduard-Matras Haus ist der Österreichische Touristenklub (ÖTK).
Durch die einzigartige Lage hat man vom Matrashaus einen Ausblick auf über 200 Dreitausender. Der Blick reicht vom Toten Gebirge über den Großglockner bis zur Zugspitze.
Berühmt sind der Sonnenauf- und -untergang am Matrashaus.

Da alle Zustiege vom Tal aus sehr weit sind, wird die Hütte ausschließlich mit dem Hubschrauber versorgt.

Matrashaus im Morgenlicht

Eine Hütte des Österreichischen Touristenklubs ÖTK

ÖTK Österreichischer Touristenklub

Kontakt

 

Datenschutzerklärung

Roman Kurz
Hüttenwirt vom F.E. Matrashaus / Hochkönig
A-5505 Mühlbach, Austria
Tel. Hütte :   0043 6467 7566
Reservierungen bitte  über das Reservierungsformular !
 
 

Tel. Tal: +49 (0)8650-984733 (im Winter)

Für Reservierung/Stornierung benutzen Sie bitte unser Reservierungsformular (erreichbar über "Übernachtung >> Reservierungen").

Internet: www.matrashaus.at

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